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Nein, die “Deepwater”-Ölpest im Golf ist nicht “Obamas Katrina”, wie die Rechte in einem kollektiven Anfall an Amnesie über die Bush-Ära hetzten. Doch mit Ruhm bekleckerte sich Obama keineswegs – und der klebrige Ölschlamm, der gerade in die Schilfgürtel des Mississippi-Deltas sickert, wird metaphorisch vielleicht permanent an seiner Präsidentschaft kleben bleiben.

Obama zeigte bei dem Öldesaster keinerlei Leadership, sein Team werkte meist nur fieberhaft daran, die ärgsten politischen Implikationen zu minimieren, als die Alptraum-Firma BP zu zwingen, energischer an der Schließung des Lecks zu arbeiten. Am schlimmsten: Die US-Regierung wurde – wissentlich oder nicht – zum Komplizen einer gewaltigen Vertuschungsaktion. Gleich vom Start weg: Nach der Explosion und dem Sinken der Plattform würden nur kleinere Ölreste an der Meeresoberfläche treiben, verkündete treuherzig Coast-Guard-Sprecherin Mary Landry. Dann tauchte das erste Bild des Unterwasserlecks auf. Brav glaubten die US-Behörden BP, dass dort „nur“ 5.000 Barrel Öl pro Tag austreten. Obama stand brav im Gewitterregen im Einsatzzentrum in Venice, Louisiana, zeigte mediengerechte Hemdsärmeligkeit und Empörung über BP.

Doch wollten Obama & Co wirklich genau wissen, wie viel Öl tatsächlich aus den Lecks in 1.510 Meter Tiefe schießt? Kaum. Erst Medien erzwangen die Freigabe des Videos – nach drei Wochen! Experten errechneten aufgrund der dramatischen Bilder eine Austrittsmenge von bis zu 100.000 Barrel pro Tag, fast 16 Millionen Liter, was ein Exxon-Valdez-Desaster alle vier Tage bedeuten würde. Doch die Menge, verteidigte sich die Coast Guard, sei gar nicht wirklich wichtig, da so und so für den Schlimmstfall geplant werde.

Oh, really? Ohnmächtig stehen US-Vertreter täglich neben BPs Doug Suttles bei Pressekonferenzen, wenn der immer neue, mit griffigen Namen versehene Dichtungsanläufe bekanntgibt. Zwei Wochen lang wurden die Medien mit dem Bau einer 100-Tonnen-Stahlglocke unterhalten, die jetzt – unbrauchbar – neben dem sprudelnden Leck am Meeresboden parkt (die Stelle wird zusehendes zum Unterwasser-Museum für BPs Inkompetenz…). Dann kam der “Top Hat”, eine kleinere Glocke. Niemand weiß mehr, warum die im Frachter blieb. Einzig das Einführen eines dünnen Absaugerohres gelang, mit dem BP jetzt täglich 3.000 Barrel in einen Tanker pumpt. Angesichts der geschätzten, tatsächlichen Menge ist das wie ein “Strohhalm im Swimmingpool”, so NBC-Star Matt Lauer.

Am Sonntag soll nun “Top Kill” kommen, dabei das defekte Ventil mit Schlamm und Beton beerdigt werden. Warum gerade dieser Sonntag, 33 Tage nach der Explosion, ein guter Termin für die versuchte, komplette Abdichtung des Lecks sein soll, weiß keiner so recht: Steht der Mond günstig? Wartet man auf eine Betonlieferung? Musste der Schlamm noch eine wenig gären? Schlägt “Top Kill” fehlt, komme “Junk Shot”, hieß es: Da werden zerhackte Golfbälle in den “Blowout Preventer”, der leider mit fehlenden Batterien und lecker Hydraulik-Leitung wenige “preventete”, injiziert.

Immerhin: Aufwendig und mit Liebe angefertigt wirken die Computeranimationen der Stümperei. Die Regierung des Landes, das einst zum Mond flog, überlässt alle Dichtungsversuche BP, während seine gesamte Golfküste auf Jahrzehnte vergiftet werden könnte. Rege Aktivitäten sind nur feststellbar, wenn das Ausmaß der Katastrophe verschleiert werden soll: Da stoppten etwa Coast-Guard-Beamte ein CBS-TV-Team, das einen ölverschmierten Strand filmen wollte. “Das sind BPs Regeln hier”, sagte der Dummkopf. Keine Ahnung: Habe ich die Annexion der USA durch den Ölmulti verpasst?

Und unter Druck vom White House gerieten, so die NYT, auch Wissenschaftler, die gigantische Unterwasser-Ölschwaden entdeckten. Sorry, Obama, aber vielen fällt hier der “Change” zum Vorgänger nicht wirklich auf…