Kinder, hört endlich auf, am Spielplatz den Sand zu verfrachten!


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Vielleicht ist der Vergleich ungerecht – doch irgendwie symptomatisch für ein Land, wo ich mich inzwischen wundere, wie sie es jemals zum Mond – und vor allem zurück – schafften. Nein, es geht nicht um den BP-GAU, das Unvermögen, zumindest eine ordentliche Flotte an Booten zusammenzustellen, die das Öl im Meer aufsaugt bevor es die Küsten zerstört (dass der US-Regierung sowohl Expertise als auch Equipment beim Stopfen von Tiefsee-Öllecks fehlt, wurde in den bisher 72 Tagen des Öldesasters ausreichend dokumentiert).

Es geht um unseren neuen Spielplatz, dem coolen iPlayground, dessen Eröffnung wir so euphorisch Ende Mai noch feierten. Das Spielareal weist Designfehler auf, als wäre hier der erste Spielplatz aller Zeiten ohne jegliche Erfahrungswerte errichtet worden.

Es begann gleich an Tag Eins: Beim Schaukeln an einem am Balken mit Stahlseilen montierten Autoreifen stießen sich zwei Kinder die Köpfe an. Gehirnerschütterung. Der Reifen wurde Stunden später abmontiert. Das Problem: Das Balkengerüst geriet zu niedrig, stehen größere Kids auf, krachen ihre Köpfe aufs Holz. Nun, eine offenbar recht komplizierte Berechnung für jeden Architekten: Größe von Kindern, verglichen mit Länge der Stahlseile… You get the idea. Fortan versammeln sich immer wieder kleine Gruppen an Verantwortlichen mit Bauhelmen um das Denkmal des Stumpfsinns. Passiert ist seit sechs Wochen nichts. Vielleicht sollten auch Architekturstudenten Exkursionen hierher unternehmen.

Und es gibt längst weitere Probleme: Zuerst wurden die Trinkkonsole abgedreht. Sand hatte den Abfluss verstopft. Dass Kinder ihn dort reinschütten, war einfach nicht absehbar. Noch pikanter: Das Wasser der zahl-reichen, sehr coolen Fontainen hätte im porösen Plastikboden versickern und dann unterirdisch abfließen sollen. Tat es auch, aber nur anfangs. Jetzt bildet sich jedoch stets ein See, den wir liebevoll „Cesspool“, Sickergrube, nennen und der bereits zu leichten Überflutungen des angrenzenden Grünbereichs und des Gehweges auf der anderen Seite führt (nicht auszudenken, was bei einem Hurrikan passiert…).

Verantwortlich ist wieder dieser verdammte Sand, und die Kinder, die ihn ständig und notorisch an immer falsche Orte des Geländes verfrachten. Dass die Sandkiste gleich neben dem Wasserpark liegt, macht den Kids die Arbeit nur leichter. Apropos Sand: Der ist offenbar zu fein, Windböen sollen ihn bis in die Apartments umliegender Hochhäuser geblasen haben. Again: Woher sollten die Designer des BP-esken Spielplatzes auch wissen, welche Sandkorngröße angemessen ist?

Dabei haben wir noch Glück, dass nicht die Genies am Werk waren, die einen Spielplatz in Brooklyn errichteten: Dort wurden polierte Metallskulpturen platziert, die sich in der Sonne derart aufheizten, dass sich Kinder Hände und Füße verbrannten. Was das Metall anregte, derart verlässlich physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu folgen, ist ein Rätsel.

Immerhin zum vollen Erfolg wurde auf unserem Playground die Kletteranlage in der Form einer Raumkapsel. Kleingedruckt ist auf einem Pfeiler zu lesen: Made in Germany.

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