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Die Republikaner scheinen ihr gewünschstes „Red Meet“ (Rohfleisch) für die „Midterm“-Kongresswahlen gefunden zu haben – die willkommene Ablenkung von der Realität, dass sie außer latentem Nein-Sagen kaum Ideen zu bieten haben. Es geht um die Moschee nahe des 9/11-Tatortes „Ground Zero“. Eigentlich ist es ein muslimisches „Gemeindehaus“, und der geplante dreizehnstöckige Bau liegt, zwei Blöcke nördlich, nicht einmal in Sichtweite der Baustelle.

Doch never mind, die Debatte eignet sich einfach zu gut als „wedge issue“, wo mit aufgeregter Agitation und schamloser Ausnützung von Emotionen ein Keil ins Wahlvolk getrieben werden kann. Und 9/11 gibt da als nationales Trauma in den USA am meisten her. Die „Ground-Zero“-Moschee, wie sie längst heißt, führte zu einem Feuersturm an Protesten von Angehörigen der Opfer und Lokalpolitikern.

Nun watete Obama in den Konflikt und hob die zuerst örtliche Debatte auf nationales Niveau – was der GOP nur recht sein kann. Dazu fehlt es bei Obamas Aussagen an Klarheit: Zuerst erinnerte er daran, dass auch Muslimen das Recht zur freien Religionsausübung haben, doch dann – nach heftiger Kritik von rechts – ruderte er zurück und wollte plötzlich die „Weisheit“ des Baus einer Moschee so knapp an den „hallowed grounds“ (heiligen Gründe) nicht mehr kommentieren. Was mit einem mutigen Eintreten für die berühmten Grundrechte Amerikas begann, endete – wie leider oft bei Obama in seinem Drang, es allen recht zu machen – in einem Schlamassel. Seine Helfer versuchten „klarzustellen“, dass Obama weiter am Recht der Muslimen, Moscheen bauen zu können wo immer sie wollen, festhalte. Leider ist es so was wie ein Rückzieher vom Rückzieher.

Doch immerhin: Obama hatte wenigsten die Courage, doch eine – wenn auch nicht glasklare – Stellung zu beziehen. Die Washington Post nannte es sogar die „feinste Stunde seiner Präsidentschaft“.

Und es tut politisch weh. Nun haben die Rechten eine weitere Chance zur Hetze auf nationaler Ebene – weniger als zweieinhalb Monate vor den Kongress-Wahlen. Die stets dummdreist twitternde Sarah Palin gab bereits die Marschparolen aus für den drohenden „Religionskrieg“ gegen Amerikas sieben Millionen Muslimen – mit dem immer griffigen 9/11 als emotionsbeladenen Thema. Dazu gibt der rechte Fox-TV-Kanal den Takt vor.

Schon marschieren fanatische Christengruppen vor Moscheebauten quer durch die USA, zürnen der „Lügen-Religion“ und verdammen alle Muslimen als potentielle Al-Kaida-Jumbo-Hijacker. Von Obama wird ein „Bier-Gipfel“ gefordert, wo Initiatoren der Moschee und ihre Gegner die Sache in Obamas White-House-Garten ausdiskutieren könnten – wie einst nach der Verhaftung des schwarzen Professors Henry Louis Gates in seinem eigenen Haus durch einen weißen Cop. Alkoholfreies Bier natürlich, das Ding mit den Muslimen und Alkohol hat sogar Fox mitbekommen. Was dabei rauskommen dürfte, scheint nach dem letzten Biergipfel klar: Eine aufgeregte Debatte in den Medien, wer welche Biersorte trank. Immerhin.