Deppen oder Visionäre: Wie die US-Post „Lady Liberty“ nach Vegas verlegte…


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Es klingt wie ein guter Witz, einer von den Late-Night-Shows, Jay Leno, Conan, whatever. Einem akribischen Briefmarkensammler (und das sind wahrscheinlich die meisten…) fiel das perfekte Antlitz der Freiheitsstatue auf der jüngsten Postmarke des „U.S. Postal Service“ auf. Die Zeitung „Linn´s Stamp News“ fragte dann in ihren „Breaking News„: Wie konnte Lady Liberty, die immerhin seit 1886 in der feuchten Seebrise des New Yorker Hafen dahinwittert (und in Zeiten von Budgetkrisen immer länger auf frische Anstriche wartet) bloß so makellos, gar „sexy“, wie sich die „New York Times“ hinreißen ließ, aussehen? Zuerst wurde wohl an Photoshop gedacht: Warum soll der alten Hafendame nicht ähnlich optisch auf die Sprünge geholfen werden wie „Victoria Secret“-Models?

Doch bald wurde die ganze blamable Wahrheit bekannt: Die Ami-Post hatte einfach das Gesicht der Kopie in Las Vegas verwendet – und natürlich nicht als solches deklariert. Der 46 Meter hohe Nachbau steht vor dem „New York-New York Hotel und Casino“ am 3790 Las Vegas Boulevard South, vor einer vegas-typischen Kitschkollektion an Nachbauten der weltberühmtsten Skyline.

Nun klingt die Story anfangs recht banal – wenn nicht die Symbolik der Panne zu unübersehbar wäre: Amerikas bekanntestes Symbol für den vielleicht zentralsten Eckpfeiler seines Versprechens mit einer billigen Casino-Attaraktion auf einer Briefmarke zu ersetzen, spricht wahrlich Bände. Und führt zum Gedanken, ob eigentlich die Vegas-Lady-Liberty nicht ohnehin heute bereits mehr an Symbolkraft besitzt: In Zeiten luftiger Derivat-Geschäfte im Wall-Street-Casino, die nach dem 2008-Crash wieder florieren. Einem „Corporate America“, wo aggressives Marketing und Profitgier Innovation und Service ablösten – und GE für $14 Mrd. Gewinnn keinen Cent an Steuern zahlt. Oder den Budget-Charaden in D.C., wo fast die Regierung geschlossen wurde wegen einem Abtreibungsstreit, während pro Monat $133 Mrd. an neuen Schulden anfallen am Weg zur drohenden Pleite.

Bei dieser Betrachtung wären die in den Medien geprügelten Postler keine Dilettanten sondern Visionäre.

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