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People´s Power! Ich war zwar am Weg zum Kauf des neuen iPhone 4S – für eine Story. Doch es ließ mich nicht los, ich musste vorher zum Zuccotti Park, dem „Headquarter“ der Bewegung „Occupy Wall Street“. Die Lage schien brenzlig an diesem Freitagmorgen: Um 7 Uhr sollten Cops dem Platz räumen, zur Reinigung, aus hygienischen Gründen, so die fadenscheinige Begründung von Top-„One-Percenter“ Michael Bloomberg.

Der Hintergrund: Der Zuccotti-Park gehört der Immobilienfirma „Brookfield Properties“, die seit Beginn der Besetzung am 17. September die lästigen Demonstranten – trotz großer Unterstützung lokaler Bürgergruppen für die Besetzer – vertreiben hatten wollen. Doch „Occupy“ schlug zurück: Über Nacht wurden über Twitter und Facebook die Massen mobilisiert. „HELP! DEFEND ZUCCOTTI PARK“, ratterte über die Sozialnetze.

Die Rufe wurden gehört: Donnerstagabend schickte die Gewerkschaft AFL-CIO eine Massenmail an ihre Mitglieder: Unverblümt wurden die aufgefordert, in der Nacht zur Verteidigung des Parks anzutreten.

All das ist spür- und sichtbar, als ich mich um 6:25 Uhr nähere: Es ist finster, die Luft schwül, schon aus der Distanz sind die Sprechchöre zu hören. Es ist ein Donnern, ein Röhren. Es hallt durch die dunklen Straßen Manhattans. Die Energie ist spürbar, die Leute haben genug! Ich verspüre eine Gänsehaut, die Bedeutung dieses Moments ist begreifbar: Räumen die Cops den Platz würde der Bewegung fast ein Todesstoß versetzt werden. Zu groß ist die Symbolkraft des „Liberty Square“, wie die Besetzer den alten Namen verwenden:  Hier hat alles begonnen, der Zuccotti-Park ist das „Ground Zero“ der Anti-Wall-Street-Bewegung, der „Tahrir Square“ im Kampf um eine gerechtere Welt. Von hier gingen die Impulse in alle Erdteile. Wird er leergefegt, ist das wichtigste Symbol verschwunden.

Ich mache noch schnell ein Video, doch muss weiter zum Apple-Store. Beim Schlangestehen sehe ich dann die erlösende Nachricht: „Brookfield“ zog nach massenhaften Anrufen (auch von Politikern) den Schweif ein, sagte die Räumung ab. Am iPhone sehe ich im TV die Jubelbilder aus Downtown. Es ist ein Etappensieg – jetzt plant die Bewegung bereits für den Samstag, den bisher größten Tag der Bewegung.