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Der ehemalige Leibarzt des Popidols Michal Jackson (†50), Conrad Murray (58), wurde Dienstag von LA-Richter Michael Pastor zu vier Jahren Haft verurteilt. Murray vernahm den Spruch mit todtraurigem Blick im grauen Anzug mit lila Krawatte. In Handschellen wurde er abgeführt. Angeordnet wurde für den Jänner ein neues Hearing zur Festlegung des Ausmaßes einer möglichen Entschädigung für den Tod Jacksons an seine Familie. Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt 100 Millionen Dollar gefordert.

Murray muss 870 Dollar Gerichtsgebühren zahlen, Speichelproben für die DNA-Erfassung in der Verbrecher-Datenbank bereitstellen.

Pastor hatte davor in einer leidenschaftlichen Abrechnung mit dem Arzt sein Urteil begründet: „Dr. Murray hat seinen Eid als Arzt für Geld verraten, verstrickte sich in einem Netz aus unfassbarem Betrug und Lügen, hat seinen Patienten im Stich gelassen“. Murrays Verhalten sei eine „Schande für den Arztberuf“. Murray zeigte keine Reue, so der zornige Richter weiter, hätte sich in einem jüngsten Interview sogar „empört gezeigt über den Tod seines Patienten“. Er sei eine Gefahr für die Öffentlichkeit.

Besonders schockiert zeigte sich der Richter über die Aufnahme von Jacksons Gelalle unter schwerem Medikamenteneinfluss durch Murray: „Das ist der ultimative Vertrauensbruch, eine Offenbarung von Dr. Murrays wahrem Charakter“. Er nannte das Tape eine „Versicherungspolizze“, mit dem Jacko erpresst werden hätte können.

Der Kardiologe war am 7. November der „fahrlässigen Tötung“ für schuldig befunden worden – nach einem sechswöchigen Sensationsprozess, in dem das Drama um Jacksons Herztod am 25. Juni 2009 durch eine Überdosis des Narkosemittels „Propofol“ in allen grimmigen Facetten neu aufgerollt worden war.

Vor allem Jacksons Familie hatte eine harte Bestrafung des fahrlässigen Kardiologen verlangt: „Es gibt keinen Tag, wo ich nicht an seinen Tod denke“, trauerte Mutter Katherine (81) in einem Schreiben an das Gericht. Darin erstmals enthüllt: Jackson hätte gemeinsam mit seinen Kindern eine Filmkarriere geplant als Art „Familienprojekt“.

Zur Strafverhandlung erschien der Jacko-Clan fast komplett. Sie ließen ein Statement im Gerichtssaal verlesen: „Worte können unsere Trauer über den Verlust eines Sohnes, Bruders und Vaters nicht ausdrücken – wir werden nie wieder mit ihm tanzen, lachen, ihn umarmen“. Jackos Kinder Prince (14), Paris (13) und Blanket (9) blieben in der Schule. Sie hinterließen eine Botschaft: „Wir haben unseren besten Freund und Spielkameraden verloren“.

Wie der Richter empörte sich auch die Staatsanwaltschaft über Murrays jüngstes TV-Interview: Jackson sei ein Junkie gewesen, ließ er da durchblicken, der ihn „hinters Licht führte“. Kläger David Walgren schäumte: „Er schiebt seinem Opfer die Schuld an seinem eigenen Tod in die Schuhe…“

Murrays Anwalt Ed Chernoff beschrieb Jackos Tod hingegen als „enorme Tragödie“, über die der Doktor „nie in seinem Leben hinweg kommen werde…“ Er sei deshalb auch ohne Haft ausreichend bestraft. Der Verteidiger rückte aber auch den Popstar ins schiefe Licht: „Er hat nach diesen Medikamenten getrachtet…“, so Chernoff: Murray hätte den Fehler begangen, Jacksons „Wünsche zu erfüllen“. 34 Bekannte hatten in Schreiben an das Gericht um Milde gebeten.

Laut Medienreports plagen den deprimierten „Doc“ in der Haftanstalt Selbstmordgedanken. Er werde deshalb im Spitalsflügel des „Los Angeles County Jail“ rund um die Uhr bewacht.

Trotz des harschen Richterspruchs entgeht Murray wegen der notorischen Haftüberfüllung in Kalifornien dem gefürchteten Staatsgefängnis, er werde wohl nur „wenige Monate“, so Experten, im „County Jail“ dünsten. Auch Hausarrest ist möglich.