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Was für ein Fall von Zivilcourage – und Symbol des wachsenden Widerstand gegen die Exzesse der Finanzwelt. Vita Lee ist 103 Jahre alt, ist meist bettlägerig, aber hat noch viel an Lebenswillen übrig. Sie lebt in einem Vorort der Georgia-Kapitale Atlanta mit ihrer Tochter (83).

Irgendwann muss was schiefgelaufen sein mit ihren Hauskredit, wie bei Millionen anderen Amerikanern während des Platzen der Immoblase vor vier Jahren auch. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. Die „Mortage“, der Hauskredit, geriet jedenfalls in den Besitz der Deutschen Bank, als eines von vielen Geschäften der einst wunderbaren Welt hochprofitabler Schuldverschreibungen quer durch die Kontinente (in den USA wurde das Institut gerade von der US-Justiz auf eine Milliarde Dollar Schadenersatz wegen mutmaßlichem „Mortage“-Betrugs verklagt).

Die Deutschen arbeiteten zusammen mit den US-Bankgiganten „Chase“, auch eines der führenden Finanzhäuser beim Delogieren säumiger Hausbesitzer. Nachdem auf den PC-Schirmen Frau Lee nur als Zeileneintrag in einer Schuldnerliste aufscheint, schritt Chase zur Räumung, zeigte sich auch unbeirrt, als die Story einer baldigen, 103-Jährigen Homeless in die Medien gelangte.

Schließlich erschienen Beamte des Sheriff-Department samt einem von der Bank geheuerten Möbelwagen. Die Tochter war davor wegen der Aufregung bereits zusammengebrochen und ins Spital eingeliefert worden. Die Polizisten sahen die fragile alte Frau mit ihren grauen Lockenkopf und großen Hornbrillen unter einer geblümten Decke – und folgten ihrem Herzen und nicht bloß Befehlen als Drecksarbeitsverrichter der Hochfinanz. Per Funk gaben sie durch, dass Lee, die in wenigen Wochen ihren 104. Geburtstag feiert, zu gebrechlich sei für eine Räumung. Sie schlossen die Türe und fuhren mit den Streifenwagen davon. Der Möbelwagen folgte. Die Beamte hatten vorher noch die Zentrale angerufen – und ihr Boss, Sheriff Theodore Jackson, genehmigte die Menschlichkeit. TV-Kommentator Lawrence O´Donnell bezeichnete Jackson als „Helden“.

Chase kündigte in einer dürren Stellungnahme nun an, dass sie an einer Lösung arbeiten, damit Lee in ihrem Haus blieben darf.