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Sympathisch ist Obama, keine Frage, und das jüngste Familienfoto mit Gattin Michelle und den süßen Töchtern Malia (nun fast schon so groß wie ihr Dad) und Sasha rührte die Nation –  und erinnerte an die historischen Triumphwochen, als der „Change“- und „Hope“-Hoffnungsträger als erster Afroamerikaner ins Oval Office zog. Doch als Politiker, als Präsident, scheint Obama die meisten Amerikaner enttäuscht zu haben: Bei knapp über 40 % dümpelt seine Popularität seit Monaten dahin, 75 % sehen Amerika am falschen Kurs. Seine Wiederwahl 2012 wackelt, so Umfragen in 12 der wichtigsten Schaukelstaaten: Dort liegt er derzeit gegen beide der nicht sonderlich überzeugenden GOP-Topkandidaten Romney und Gingrich zurück.

Was ist es mit Obama? Ich selbst – ebenfalls mitunter enttäuscht – zermartere mir darüber den Kopf. Auf Facebook kursiert eine Page, die Obamas Errungenschaften während den ersten drei Jahren protokolliert, als Antwort auf die ständige Nichtstuer-Präsident-Polemik. Die Liste wirkt imposant: Er rettete Amerikas Autoindustrie, repartierte das US-Image rund um die Welt, setzte eine historische Gesundheitsreform durch, machte Umweltschutz und grüne Energie zur nationalen Priorität. Das 787-Mrd.-Konjunkturpaket bewahrte den Sturz der US-Wirtschaft in die Depression. Gerne wird auch vergessen, wie tief der Krater war, den ihm Bush hinterließ – und wie zahlreich die Prügel, die ihm die Republikaner seit Tag Eins im Oval Office in den Weg werfen.

Seit der Tea-Party-Übernahme 2010 ist der Kongress zum Blockade-Gremium jeglicher Obama-Initiativen verkommen (und dabei ist den Rechten das eigene Image oder das Wohl des Landes herzlich egal…).

Dennoch: Selbst die 2008-Jubelmassen des Chicagoer „Grant Park“ haben sich weitgehend von Obama abgewandt. Es liegt offenbar zum einen an seinem „professoralen Stil“ mit mehr Analyse als Konfrontation. Die Linke kreidet ihm an, kaum Kampfkraft und politische Gewievtheit (wie einst Bill Clinton) beim Showdown zwischen einer schrumpfenden Mittelklasse und dem immer dreister abzockenden Geldadels gezeigt zu haben.

Ich habe wirklich niemanden getroffen bei den „Occupy“-Protesten, der warme Worte für Obama erübrigte. Am größten ist der Zorn, dass niemand der 2008-Finanzcrash-Verantwortlichen bisher der Prozess gemachte wurde. Und sich Obama dazu mit Geithner und einst Summers echte Wall-Street-Insider als Top-Wirtschaftsberater ins Team holte.

Der Präsident wird als Teil eines ungerechten System begriffen. Und was ihm den Weg ins Oval Office ebnete, wurde nun fast zur Bürde: Seine rauschenden Reden! Jede einzelne ist weiterhin punktgenau in der Analyse, seine kraftvolle Rhetorik bewegt, doch den Worten folgen dann oft wenige Taten (ob das Obamas Schuld wegen der GOP-Blockade ist oder nicht, wirkt dann bei der subtilen Wahrnehmung irrelevant). Dazu wählte Obama im Oval Office einen Stil besonnener Zurückhaltung, was ihm nach dem Hitzkopf Bush ehrt, doch das Image eines Zauderers kreierte, besonders offensichtlich wurde das 2010 bei der BP-Ölpest.

In den zahlreichen Showdowns mit den Republikanern fällt er am Ende meist um: Dass die Konservativen durch ihre erpresserische „Niemals-höhere-Steuern-für-Millionäre“-Politik dem Präsidenten, der die Supermacht ja weiterregieren muss, tatsächlich meist keine Wahl lassen, geht in der oberflächlichen US-Berichterstattung meist verloren. TV-News kennen immer nur Sieger und Verlierer.

Doch fliegt Obama aus dem Oval Office? Für ein Urteil ist es hier noch zu früh: Schlecht stehen die Chancen, sollte die 2012-Wahlschlacht zu einem Referendum über seine bisherige Amtszeit werden. Doch gelingt es seinem Team, die Weichen auf eine „Choice Election“, der Wahl zwischen zwei Kandidaten und deren Politik, zu stellen, ist Amtsperiode 2 in Griffweite: Dann müssten nämlich der Republikaner-Kandidat erklären, warum die Politik der Rechten immer nur Amerikas ohnehin Superreiche begünstigt und die Mittelklasse darben lässt.