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„Bain Capital“. Den Namen dieser Finanzfirm wird in Kürze jeder Amerikaner kennen. Und Mitt Romney könnte „Bain“ das Oval Office kosten. „Bain Capital“? Die Firma residiert in Boston als „Assett Management“- und Finanz-Dienstleister, 400 Profis verwalten $66 Mrd. in Investorenkapital. Ein Bereich der Aktivitäten: Privat-Equity. Nicht börsennotierte Firmen werden dabei mit geborgtem Geld gekauft, „verschlankt“ – oft durch erzwungenen Stellenabbau – und am Ende mit Profit wieder abgestoßen.

„Kannibalisiert“, sagen jedoch Kritiker. Und kaum ein Geschäftsmodell impliziert – besonders in „Occupy“-Zeiten – das Stereotyp gieriger, herzloser Finanzhaie. Doch genau das tat Romney, als er 1984 Bain Capital mitbegründete. Und er war außerordentlich gut dabei: Im Schnitt fuhr er 111 % an Rendite pro Jahr ein, den Firmen drückte der den „Bain Way“ auf.

Was Romney sicher selbst weiter als Wundermittel des modernen Kapitalismus sieht, holt ihn nun beim Kampf ums White House ein. Das Timing könnte dazu verheerender kaum sein: Der Volkszorn gegen Wall Street und die Banken erreicht nach dem 2008-Crash, Bail-Out und dem Bankenwürgegriff auf Hausbesitzer in den USA historische Höhen: Private-Equity-Manager Romney wirkt nun längst eher als Schurke denn als Held der Hochfinanz.

Und es wird schlimmer, viel schlimmer: Erzfeind Newt Gingrich, wegen Romneys Rufmord-Kampgane an ihm in Iowa auf Vendetta-Kurs, plant die Ausstrahlung von Auszügen einer für Romney verheerenden Doku über „Bain Capital“ in South Carolina (Primaries am 21. 1.). Das Geld, $5 Mio, kommt von einem befreundeten Casino-Mogul, der Film beinhaltet berührende Interviews mit Ex-Angestellten der Firmen, denen der „Bain Way“ den Job kostete.

Ein Super-GAU für Romney. Und da ihn selbst die sonst dem Raubtierkapitalismus huldigenden Republikaner bereits so heftig wegen seiner „Bain“-Vergangenheit angreifen, darf das Ausmaß der Empörung seitens Obama und den „Dems“ erraten werden. Fast hörbar scheint das Aufatmen im White House über diese „Mutter aller Wahlkampfgeschenke“.

Und Romney macht gerade alles noch viel schlimmer: Zuerst meinte er, dass Banken säumige Hausbesitzer noch rascher rauswerfen sollen, um den Immo-Markt zu stabilisieren. Jetzt sagte er: „Ich mag die Möglichkeit, Leute feuern zu können“. Team Obama kritisierte die Aussage heftig, Romney ruderte zurück: Das Statement sie aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Stunden zuvor wollte Romney um Mitleid heischen, wonach er selbst mehrmals in seiner Karriere fast den „Pink Slip“ (Kündigung) erhielt. Sein Stab tat sich dann freilich schwer, Beispiele nennen zu können. Dafür zeigten seine Rivalen auf, dass es Romney als CEO von „Bain Capital“ war, der die rosa Zetteln verteilte. Fast scheint es, als versinke Romney im ersten handfesten Vorwahlskandal. Verspielt er knapp vor der Ziellinie noch alle Chancen?