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Das Lächeln im kantigen Gesicht unter den zurückgegelten Haaren war zuerst noch leicht angespannt, doch dann strahlte Mitt Romney (64) unter den euphorischen „Mitt! Mitt! Mitt!“-Rufen seiner Fans bei der Feier nach dem überlegenen Sieg der New-Hampshire-Primary mit 39 Prozent der Stimmen. „Heute wird gefeiert“, lachte der Republikaner: „Morgen geht es zurück an die Arbeit“.

Gar so viel dürfte es zumindest in den Republikaner-Vorwahlen zur Kür des Obama-Gegners nicht mehr bedürfen. Mit dem frühen Durchmarsch scheint Romney die Nominierung „nur mehr schwer zu nehmen zu sein“, sind sich die meisten US-Beobachter einig. Er gewann zwar nur knapp in Iowa in der Vorwoche mit nur acht Stimmen Vorsprung auf Frömmler Rick Santorum, doch triumphierte in New Hampshire.

Klar: Romney führte dort seit Jahren Wahlkampf, butterte Millionen hinein, war einst Gouverneur des Nachbarstaates Massachusetts. Doch der Vorsprung war deutlich, ein hoher Anteil an Stimmen von deklarierten Konservativen zeigt auch, dass sich die Parteibasis langsam hinter den Mormonen schart. Weiteres Glück für Romney: Auf Rang 2 landete der chancenlose Querkopf Ron Paul anstatt des weit gefährlicheren Ex-Utah-Gouverneurs Jon Huntsman.

Damit ist weiter weit und breit kein Rivale in Sicht, der die Romney-Rakete noch bremsen könnte. Die Rechtsaußen Newt Gingrich und Santorum können Romney mit einer Schlammschlacht in South Carolina (Wahl: 21. 1.) oder Florida (31. 1.) zwar extrem schaden: Dort laufen bereits aggressive TV-Spots, die Romney als Schein-Konservativen und gierigen Finanzhai denunzieren. Schlagen können aber auch sie ihm kaum.

Der Vater von fünf Söhnen, der mit Frau Ann seit 42 Jahren verheiratet ist, lässt seine Rivalen daher längst links liegen, tut so, als wäre er bereits zum Obama-Gegner gekrönt. 99 Prozent seiner Attacken gelten bereits dem White House: Obama „vernichte Arbeitsplätze“, führe die „USA in die Pleite“, schwäche durch das Abspecken der US-Streitkräfte und Appeasement in Übersee die Supermacht, tönte Romney. In Umfragen liegt er schon knapp hinter Obama.

Doch wie tickt Romney? Und wie groß sind seine Chancen?

Seine Religionszugehörigkeit zur „Church of the Latter Day Saints“ dürfte seine Chancen kaum schmälern. Die größte Skepsis schwappt ihm jetzt in den Vorwahlen vom Evangelisten-Flügel der Partei entgegen, die die Mormonen für eine Sekte halten. Gewinnt Romney die Primaries, hat er diese Hürde wohl genommen.

Mit geschätzten 250 Millionen Dollar Vermögen ist er einer der reichsten Kandidaten aller Zeiten, bereits sein Vater, Detroit-Automogul und Ex-Michigan-Gouverneur George Romney, war steinreich. Im aufgeheizten Klima der „Occupy“-Anti-Wallstreet-Proteste gegen Abzocker der „One Percent“ könnte Romneys Vermögen leicht zum Boomerang werden.

Romney pocht auf seine „Business“-Erfahrung, verspricht den Amerikanern ein neues Wirtschaftswunder. Doch seit Tagen wird eher diskutiert seine Rolle als Ex-Chef der Finanzfirma „Bain Capital“, die Firmen kaufte und Arbeitnehmer feuerte. Selbst seine Republikaner-Rivalen schimpften über diese Art des „Raubtier-Kapitalismus“. Romney perplex: Er hätte diese Attacken „auf das freie Unternehmertum“ von Obama erwartet, nicht jedoch von seinen Parteikollegen.

Romney ist sicherlich tüchtig und fähig: Er übernahm die Organisation der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City 2002, beendete das Chaos und führte die Spiele zum Triumph. Doch politisch trat er als Wendehals auf, der frühere, moderatere Überzeugungen als Massachusetts-Gouverneur (2003 – 2007) über Bord warf, um sich bei der in den Vorwahlen entscheidenden, erzkonservativen Parteibasis anzubiedern: Romney ist jetzt gegen die Homo-Ehe, gegen Abtreibungen, gegen Obamas Gesundheitsreform, die eine Blaupause seiner eigenen in Massachusetts ist…

Alles griffige Angriffspunkte für Team Obama: Vor allem soll Romney als herzloser, gieriger Finanzhai und „Job-Killer“ portraitiert werden, potentiell verheerend im Klima das Volkszornes gegen die Finanzindustrie und „Corporations“. Der reiche Wallstreet-Fan scheint heuer fast der ideale Gegner für Obamas Populismus.