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Die Uhr tickt – Mitt Romney rückt dem Triumph in den Republikaner-Vorwahlen stündlich näher. Das ist seinen erzkonservativen Primary-Rivalen anzumerken: Sie agieren verzweifelter, die Schlammschlacht wird immer derber und tragikomischer. Einer dieser letzten Anläufe: Die Fox-TV-Devbatte in South Carolina, wo in der dritten Wahl der Primaries-Saison diesen Samstag gewählt wird.

Newt Gingrich, Rick Santorum und Rick Perry mühten sich wieder im wilden Hickhack untereinander und scharfen Attacken gegen Romney ab. Sie  wollen sich doch noch als konservative Alternative etablieren: Gingrich kramte wieder Romneys Rolle als CEO von „Bain Capital“ hervor, wo Jobs Profiten geopfert wurden. Perry wollte Romneys Steuererklärung sehen. Santorum kanzelte ihn wegen „verlogener Werbungen“ ab.

Der Mormonen-Millionär unter Druck schien zeitweise leicht zu wanken, doch rettete sich auch durch dieses bisher schärfste Sperrfeuer. Einer seiner Tricks: Er feuert leere Worthülsen in großem Tempo ab, was oberflächlich kompetent und schlagfertig wirkt. Und oft darüber hinwegtäuscht, dass Gelee-Romney nie eine klare Position bezieht und meist sehr aufwendig eigentlich gar nichts sagt.

Romney überlebte wieder – nicht weil er so gut ist, sondern eher wegen der Hoffnungslosigkeit seiner Gegner: Querkopf Ron Paul forderte etwa eine Steuerrate von Null Prozent. Richtig gelesen: Null! Nix! Nada! Stimmt schon, der Texaner ist gegen Kriege und für eine kleine Regierung. Aber nach dieser Aussage wäre er wohl besser in einer Klinik aufgehoben. Ekel Newt Gingrich forderte wieder, dass arme, schwarze Kinder in den Schulen die Klos putzen sollen, um endlich eine „Arbeitsmoral“ zu lernen. Als der schwarze Moderator einwandte, dass solche Kommentare Afroamerikaner als Beleidigung empfinden würden, wurde er gar von der Audienz ausgebuht. Am Martin-Luther-King-Day! (Aber man ist ja so einiges gewohnt von der Republikanerbasis bei diesen Debatten: Einst jubelten sie, als Paul einen Unversicherten vor der Notaufnahme sterben lassen wollte…) So dürfte Gingrich dann unter donnerndem Applaus dozieren, wie er den farbigen Faulenzern eine neue Arbeitsethik einimpfen werde. Er wolle ja vor allem helfen, so Gingrich gütlich. Der fromme Santorum hätte als fanatischer Homo-Hasser und Abtreibungsgegner gegen Obama ebenso wenig Chancen wie Wirrkopf Paul. Und Perry ist der Dorftrottel dieser jämmerlichen Vorwahlen: Bei der Debatte am Montag sah er die Türkei von „islamischen Fanatikern“ regiert…

Klar ist also, dass sich deshalb die Partei gerade zähneknirschend hinter Romney reiht – er zieht in praktisch allen Umfragen (S.C., Florida und national) stetig davon. Doch Begeisterung löst er bei wenigen aus. Und genau diese mangelnde Euphorie könnte Obamas größte Chance bei der kommenden Wahlschlacht sein. Dazu hat Romney dann mit Obama erstmals einen kompetenten Gegner: Er wird den brennenden Fragen nicht so leicht ausweichen können.