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Höchstwahrscheinlich hat Rick Santorum Dienstagabend drei weitere US-Staaten in der Tasche: Kansas war ihm laut letzten Umfragen am Samstag kaum mehr zu nehmen, wie auch die „Primaries“ in den südlichen Staaten Mississippi und Alabama. Drei Viertel der Wähler wollen dort nur jemanden, mit deren religiösen Ansichten sie übereinstimmen. Die wählen keinen Mormonen, auch wenn sich Romney fast sein dehnbares Kreuz verrenkte bei der Imitation von südlichem Charme. Patschert wie gewohnt versuchte er sich mit einem Süd-Slang-„Y´all…“, die dort unten fettigen und beliebten „Cheese-Grits“ habe er zum Frühstück gegessen, „lecker“ seien die gewesen. Staat Wähler dort zu überzeugen erinnerte er jene im Rest des Landes, wie „fake“ und „hölzern“ er ist. Kein Wunder bei einem Kandidaten, wo nicht einmal der Name echt ist: Eigentlich heißt er Willard Romney, Mitt ist sein Mittelname…

Santorum, als Katholiken-Fundi eine Klasse für sich in politischem Extremismus, hat dennoch kaum Chancen, Romney noch abzufangen: Er müsste über 60 % der verbleibenden Delegiertenstimmem gewinnen, was praktisch ausgeschlossen ist. Dazu schnappt ihm weiter Rechtsaußen Newt Gingrich Anti-Romney-Stimmen weg. Die beiden Rechtsaußen reiben sich gegenseitig auf. Versuche, den grantigen Gingrich zur Aufgebe zu drängen, scheiterten: Irgendwie scheint er weiter happy, mit seinen Belehrungen durchs Land zu tingeln (sein „Wahlkampf“ erinnerte ohnehin stets mehr an eine Buch-Tour). Sein „Sugar-Daddy“, Casino-Milliardär Sheldon Adelson, bezahlt den Egotrip weiter mit Millionen.

Amerika hat jedoch die Schnauze voll: Als am „Super Tuesday“ wieder eine Entscheidung fehlte, sackte die Medienberichterstattung ab. Die Viererbande (Querkopf Ron Paul ist auch noch im Rennen) ist dazu längst am falschen Dampfer: Sie überbieten sich mit Hiobsbotschaften über die US-Wirtschaft und Superlativen bei der Beschreibung des Versagens von Barack Obama. Die Realität ist jedoch, dass Amerika langsam zum Comeback ansetzt (ein Job-Plus von 227.000 gab es im Februar), Obama die ihm von Bush eingebrockte „Great Rezession“ meisterte und hinter sich ließ. „Wütende Weiße Männer“, beschrieb die „New York Daily News“ die Grantler.

Dennoch: Überheblich braucht auch das White House nicht zu werden. Das Vorwahlchaos ist im Herbst längst vergessen und Romney kann im Fall eines Wirtschaftsabsturzes Obama durchaus schlagen. Weiter heißt es: It´s the economy, stupid…