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Zumindest in Hollywood jubeln die Massen Barack Obama noch so euphorisch zu als wäre es 2008. Fahnenschwingende, iPhone hochhaltende Bürger säumten die Boulevards bei der Fahrt am Donnerstag zur Villa von Superstar George Clooney in „Studio City“ (LA).

Obama hatte davor, gerade im richtigen Moment, wieder ein wenig für den alten Zauber gesorgt. Ein Ruck ging durchs Land, als er sich als erster US-Präsident deutlich für Homoehen aussprach. Der Schritt war mutig, politisch sechs Monate vor dem Wahlgang kaum kalkulierbar. Doch ärger wäre der Schaden bei seiner eigenen Basis gewesen, hätte er weiter herumlaviert. Obama stellte klar, dass er auf der „richtigen Seite der Geschichte“ stehen will, in einem Land, wo nach vehementer Ablehnung noch vor fünf Jahren nun 49 % Homoehen begrüßen – in Städten und bei Jungen ist es eine viel sattere Mehrheit.

Kaum größer war der Applaus über Obamas plötzliche Entschlossenheit als in Clooney LA-Millionenvilla. Der Abend wurde zu den Polit-Oscars des Jahres: 150 des „Who is Who“ Hollywoods (Salma Hayek, Robert Downey Jr., Billy Crystal etc.) zahlten $40.000 für einen Platz an den zehn runden Tischen. Eine Verlosung für zwei Sitzplätze für einfache Bürger soll $9 Mio., gebracht haben. Insgesamt schaufelten Clooney & Co. $15 Mio. in Obamas Kriegskasse. Starkoch Wolfgang Puck sorgte für Leckerbissen wie Artischocken-Salat und gebratenen Enten „Peking style“ .

Bei seiner umjubelten Rede nannte Obama seine Schwulenehen-Kommentare als „logischen Schritt für ein Amerika, wie es sein sollte, wo alle gleich behandelt werden und jeder eine Chance hat“. Das Gejohle war da noch im Garten der Riesenvilla zu hören. Die Auffahrt hatte Clooney mit Papierlaternen verziert, am Basketballplatz ein schwarzes Zelt für Erfrischungen errichtet. Jeffrey Katzenberg konnte seine Freude über Obamas Homoehen-OK bei seiner Vorstellungsrede kaum verbergen: Als Kandidat hatte Obama mit „Yes we can“ für eine Aufbruchstimmung gesorgt, schwärmte der Mogul. Dann donnerte er: „Und gestern haben wir wieder etwas geschafft!“

Obama taute in der freundlichen Atmosphäre richtig auf: Er hänselte Clooney, wonach ihn der ständig mit der Prahlerei über seine Basketball-Künste verfolge. Obama enthüllte, dass die Pose des berühmtem „Hope„-Portraits von einem Darfur-Event stammte, wo Clooney neben ihm saß. „Das war wohl das einzige Mal, dass George aus einem Foto weggephotoshopped wurde…“, witzelte Obama. Der Präsident blieb gar eineinhalb Stunden länger als geplant. Die Hollywood-Verneigung muss gut getan haben nach all der Verteufelung durch die Republikaner.

Dennoch muss Obama vorsichtig sein: Zu viel Schulterreiben mit abgehobenen Filmstars und Produzenten könnte Wähler vergrämen in einem Land, wo die Mittelklasse immer noch heftig unter den Folgen der „Großen Rezession“ stöhnt. Doch größer hätte der Kontrast der letzten Tage zu Republikaner Romney kaum sein können: Während sich Obama wegen seiner mutigen Schwulenpolitik bejubeln ließ, musste sich Romney den Fragen der Vorwürfe des Mobbings an schwulen Mitschülern während seiner High-School-Zeit stellen.