Größtes Tech-IPO: Facebook-Party wurde zur Nasdaq-Zitterpartie


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Sie starren am Times Square auf das leuchtende Halbrund der Technologie-Börse Nasdaq am. Kleinanleger, Neugierige, Touristen. Dahinter stehen die Aufsager der News-Networks. Es ist „FB Day“, der 18. Mai 2012, der Tag des größten Tech-Börsenganges jemals und der drittgrößten Aktien-Emission in der US-Geschichte. Kurz vor 12 Uhr ist es soweit. 30 Minuten Verspätung hatten bereits zu Nervosität geführt. Jetzt geht jedoch ein Raunen durch die Menge: Facebook, das größte Sozialnetz der Erde, ist an der Börse.

$38 lautete der Startpreis, doch statt dem erwarteten Kursfeuerwerk setzte es zunächst einen eher chaotischen, seitwärts verlaufenden Zickzackkurs. Der Nasdaq gab massive technische Probleme zu: Kaufanträge blieben liegen, was Käufer verschreckte. Der Kurs stürzt auf den Startpreis, Facebooks „Underwriters“ (Banken, die das IPO exekutierten) mussten einschreiten). Wohl ließ das extreme Volumen die Systeme wanken: In eineinhalb Stunden wurden 380 Millionen Aktien gehandelt. Sonst wickelt der Nasdaq 600 Millionen Transaktionen insgesamt pro Tag ab. Die Panne ist aber ein blaues Auge, weniger für Facebook als für die Techbörse.

Trotz allem war es die Krönung eines Internet-Märchens. Gründer Mark Zuckerberg (28) läutete die „Opening Bell“ von vor der Konzernzentrale in Menlo Park (Kalifornien) aus. Er trug seinen berühmten Kapuzen-Sweater, umarmte überwältigt seine engsten Vertrauten. Tausende Mitarbeiter jubelten vor einer riesen Videotafel. Sie hatten den größten Internet-Börsengang aller Zeiten zuvor mit einem „Hackerthon“ gefeiert. Die Nacht über liefen mit „Red Bull“ befeuerte „Programmierer-Parties“.

Den größten Coup hatte Facebook da schon hinter sich: Donnerstagabend verkaufte der Webriese 421 Millionen Aktien um 38 Dollar, kassierte dafür 16 Milliarden (mit Zusatzemissionen liegen die Einnahmen sogar bei 18,4 Mrd.). Facebooks Marktwert wurde mit 104 Milliarden Dollar berechnet, mehr als McDonald´s, Citigroup oder AT&T.

Die enorme Nachfrage ermutigte Facebook zum hohen Startpreis: In den USA waren die Aktien dreißigfach (!) überzeichnet. Ein Analyst: „In den Hype gibt es kein Halten mehr unter Investoren – jeder will Facebook im Portfolio“. CNBCs Einpeitscher Jim Cramer bejubelte das folgende Gerangel der Öffentlichkeit nach den heißen Wertpapieren als „Superbowl für Anleger“.

In der Verklärung verhallen Warnungen renommierter Anleger: Facebook ist zwar für fast eine Milliarde Nutzer Fixbestandteil ihres „digitalen Lebens“. Doch gemessen an den Profiten sind die Aktien arg überteuert: Praktisch zahlen Investoren Facebook 100 Dollar für einen Dollar Profit, sonst liegt der Schnitt bei 14 Dollar. Dabei konnte der Konzern bisher nicht genau sagen, wie er die Datenflut in jene Umsätze verwandelt, die dem hohen Aktienpreis gerecht würden.

Zuckerberg selbst, der am Montag seinen 28. Geburtstag feierte und 503,6 Millionen Aktien hält, wachte am Morgen mit einem sagenhaften Reichtum von 19,5 Milliarden Dollar auf. Jeder Anstieg der Aktien um zwei Dollar macht den Harvard-Absolventen um eine weitere Milliarde reicher.

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