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Der ausgiebige Konsum des Finanzkanals CNBC während des Facebook-Börsengangs wirkt als Paradebeispiel, warum wirklich clevere Investoren ihr Geld lieber unter den Kopfpolster stecken sollten. Im Countdown zum größten Tech-IPO aller Zeiten gingen den Kommentatoren bei ihrer Jubelorgie fast die Superlativen aus: Von einem „Superbowl für Investoren“ sprach der immer laute Jim Cramer, über ein „Facebook-Zeitalter“ nicht absehbarer Reichtümer für Investoren schwärmten andere.

Kurz: Eine Sternstunde des US-Kapitalismus, ein amerikanisches Märchen eines Ex-Studiosi, der als 28-Jähriger mit fast 20 Milliarden Dollar plötzlich unter den 25 Top-Reichen der Erde rangiert. Für die CNBC-Garde ging es aber wohl auch darum: Nach all der Schmach des 2008-Crashes, wütender „Occupy“-Demonstranten in den Straßen und einer wachsenden Belagerung der Wall Street durch Regierungs-Regulatoren wollte die Finanzindustrie mit einer Erfolgsgeschichte wieder mal Flagge zeigen – und das Investieren wieder hipp machen.

Klar, es gab da auch nervige Nörgler: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liege mit über 100 so absurd hoch wie einst in Zeiten der Internet-Blase, Facebooks Wachstum habe sich zuletzt arg verlangsamt, es fehlten Konzepte, wie all die Nutzerdaten in Umsätze verwandelt werden könnten. Facebooks Werbeeinnahmen-Model wackle zudem, nachdem sich schon die Hälfte der Nutzer auf der noch werbefreien Mobil-Plattformen (Smartphones, Tablets) tummeln.

Lustig: Jetzt, wo der Aktie die Luft ausgeht, nehmen die einstigen Euphoriker genau jene zuerst verlachten, kritischen Argumente zur Hand bei der Autopsie des Debakels. Und erraten: Jim Cramer übertrifft nun im allgemeinen Wehklagen über das Totalversagen von Facebook und seiner Banker die Kollegen. Aus der erhofften Sternstunden für die Finanzindustrie wurde prompt ein neues abschreckendes Beispiel für vor allem Kleinanleger: Als am Freitag am Nasdaq die erste Aktie den Besitzer tauschte, hatten Gründer Zuckerberg, Facebooks Mitarbeiter, seine früheren Investoren und Underwriter-Banken bereits abgecasht, vor allem nachdem sie Aktienpreis und Ausgabevolumen extrem hoch ansetzten. Für die Käufer bleiben jetzt seit Freitag nur die Verluste. Von einem „Inside Job“ schreib bereits das Magazin „The New Yorker„.