Romney macht Vorwahlsieg offiziell: Hat er Chancen gegen Obama?


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Diese Woche ist es offiziell: Mitt Romney ist Obamas Gegner! Bereits am Dienstag bei den Vorwahlen in Texas dürfte er die nötigen Delegierten-Stimmen zur endgültigen Nominierung als Republikaner-Kandidat für die Präsidentschaftswahlen erlangen. Es ist an sich ein Non-Event, da Romney nach dem Ausscheiden seiner Rivalen (Santorum, Gingrich, Paul und den Rest des Polit-Zoos) längst als fixer Kandidat galt.

Dennoch: Nun ist das Rennen Obama gegen Romney mehr als fünf Monate vor dem Wahltag am 6. November offiziell. Wie hoch liegen die Chancen, dass der Ex-Banker, Olympia-Organisierer, Ex-Massachusetts-Gouverneur und Mormone den historischen Präsidenten nach nur einer Amtszeit aus dem Oval Office jagt?

Zunächst: Obama hat als Präsident automatisch die Pole-Position: Jimmy Carter war der einzige Demokrat im letzten Jahrhundert, der nach nur vier Jahren im White House die Koffer packen musste. Und Obama liegt auch im Geldrennen derzeit mit $115 Mio. in der Kasse verglichen mit Romneys $9,2 Mio. (Stand April) klar voran. Nachdem „Corporate America“ und der Geldadel aber hinter Romney stehen, dürfte er dieses Manko rasch wettmachen (Obama wiederum bittet vor allem in Hollywood um die Wiederwahl-Millionen).

Als der Republikaner seine erste TV-Werbung losließ, wo er Konturen seiner Präsidentschaft skizzierte, wirkte das Wort „Romney Presidency“ fast schockierend. Es scheint kaum vorstellbar, dass es ein derart hölzerner, uninspirierender, sich nur an Superreiche anbiedernde, im Kalten Krieg verharrender, mexikanische Omas abschieben wollender, rückgratloser Klon tatsächlich schaffen könnte. Doch: In nationalen Umfragen liegt er im Schnitt mit 43,6 zu 45,6 nur knapp hinten (laut RealClearPolitics), in den wichtigsten „Battleground“-Staaten wie Florida, Ohio oder Virginia ist es ebenfalls ein Thriller.

Freilich, es ist für Romney kein leichter Weg zu den nötigen 270 Wahlmännerstimmen: Laut RealClearPolitics hat Obama 227 Wahlmänner sicher oder fast sicher in der Tasche, Romney bloß 170. Doch wegen all der Romney-Mankos – vor allem sein Image als abgehobener One-Percenter ohne glaubhaftes Verständnis für die Sorgen einfacher Bürger – müsste Obama eigentlich weit deutlicher führen.

Dass es so knapp ist, drückt die große Enttäuschung über Obama aus: Er hat viel durchgesetzt und braucht sich mit seiner Bilanz gegenüber Vorgängern nicht zu verstecken. Doch er ist wohl kaum jene transformatorische „Change“- und „Hope“-Figur, die er im 2008-Wahlkampfrausch versprach. Seine rauschenden Reden klingen heute hohl (auch im Rest der Welt), ein drohender neuer Wirtschaftsabschwung (ausgelöst etwa durch weitere Euro-Beben) könnte ihn leicht auf die Verliererbahn drängen.

Konkrete Prognosen sind freilich noch zu früh – der Wahlkampf hat gerade erst richtig begonnen und erst die beiden Parteitage und TV-Debatten dürften letztendlich die Weichen für den November-Sieg stellen. Aber mit Obamas derart ernüchterten Basis kann es ab Jänner tatsächlich heißen: Die Romney-Prtäsidentschaft beginnt!

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