Händeringen bei „Dems“ beginnt: Kann Obama gar verlieren?


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Lange sah es fast nach einem Spaziergang für Obama zur Wiederwahl aus: Während Anfang des Jahres die US-Wirtschaft kräftige Lebenszeichen einer robusten Erholung zeigte und pro Monat mehr als 200.000 Jobs geschaffen wurden rieben sich die Republikaner zuerst in einer fast tragikomischen Vorwahlseifen-Oper untereinander auf, um am Ende mit Mitt Romney zähneknirschend einen Kandidaten zu küren, den niemand leiden konnte.

Doch plötzlich wendet sich das Blatt: „Die Republikaner glauben nun, Romney könnte gewinnen”, schrieb Mark Halperin in “Time”: “Und die Demokraten fürchten, Obama könnte verlieren…” Die Wende hat wenig mit Performance zu tun: Romney ist hölzern und abgehoben wie eh und je, Obama trotz gewohnter Zögerpolitik ein insgesamt besonnener Oval-Office-Chef. Es geht in der 2012-Schlacht fast ausschließlich um die Wirtschaft – und die stottert, auch dank der Euro-Krise und dem Asien-Slowdown. Der letzte Jobs-Report mit nur 62.000 neuen Stellen war für Obama ein Warnsignal. Romney sammelte dazu im Mai mit $77 Mio. erstmals mehr als Obama und zog in den Umfragen fast bereits gleich (all seine Patzer und Kehrtwenden sind im Klima einer von oberflächlichen und immer rasenderen News-Zyklen angefeuerten “Wähleramnesie” längst vergessen).

Schlimmer noch: In seiner Partei beginnt das Händeringen – und niemand ist im Panik-Modus so selbstzerstörerisch wie die Demokraten. Obamas “Helfer” torpedierten zuerst seinen Plan, Rivalen Romney als herzlosen Ex-Gierbanker von “Bain Capital” und abgehobenen Onepercenter zu definieren. Parteikollege und Newark-Bürgermeister Cory Booker verdammte dementsprechende TV-Spots als “abstoßend”. Bill Clinton nannte Romneys Geschäftskarriere “herausragend” und sprach sich dann auch noch für eine Verlängerung der Steuergeschenke selbst für Superreiche aus – während Obama seine kategorische Ablehnung samt dem Aufruf, Millionäre sollten einen gerechteren Beitrag leisten, zu einem seiner zentralsten Wahlkampfthemen machen hatte wollen. Thanks Bill! Die Stümperei des Ex-Präsident geriet so arg, dass einige bereits mutmaßten, er wollte Obamas Niederlage absichtlich herbeiführen, um Hillary den Weg zu ebnen.

Obamas Angriff verpuffte in all dem freundlichen Feuer, er geriet in den Medien in die Defensive: Anstatt Romneys wahre Bilanz als Boss einer Privaty-Equity-Firma, die gekaufte Firmen zwecks Profitmaximierung “verschlankte”, zu ergründen, mühten sich die Talkingheads in den News-Kanälen mit der Frage ab, ob de Kritik an Romneys früherem Geldscheffeln überhaupt “fair” ist. Lustig nur, dass Romney selbst seine “Geschäftserfahrung” als Hauptwahlargument verkauft.

Das Chaos bei den “Dems” dürfte sich jedenfalls bei weiterem Absinken Obamas in den Umfragen in den nächsten Wochen dramatisch vergrößern – ein langer Sommer der Messer könnte den Amtsinhaber massiv schwächen vor dem Start des Hauptwahlkampfes bei den “Conventions” in Charlotte Anfang September. Vielleicht sollte Obama selbst in die Offensive gehen und sein Wahlkampfteam neu ordnen: Denn so effizient die Botschaft 2008 war, so deutlich geht sie diesmal verloren. Ein Shake-Up würde auch nervösen Kritikern innerhalb der Partei den Wind aus den Segeln nehmen.

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