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Die große Obama-Show in Charlotte startete mit Angriffen gegen die Republikaner – und Hochspannung vor der Rede von First Lady Michelle Obama, der „Geheimwaffe“ des Präsidenten. Sie sollte ihrer Rolle beim Auftritt in der Eishockey-Arena Dienstagabend gerecht werden, glauben Delegierte in den Downtown-Straßen der überraschend hippen North-Carolina-Metropole: Michelle soll die Amerikaner erinnern, welch bezaubernde – und vor allem auch historische – Familie samt den liebenswürdigen Töchtern Sasha (11) und Malia (14) im White House lebt. Die Amerikaner würdigen ihre Liebesgeschichte und Musterehe, die selbst dem Druck des Oval Office standhielt. Mit 66 Prozent schwebt Mrs. Obama im politischen Popularitätshimmel, Werte, von denen er nur träumen kann. Vor allem: Sie soll Wählerinnen an die Urnen locken am 6. November.

Doch trotz Michelles geplanter Liebesgrüße aus Charlotte werden die Bandagen in der Wahlschlacht gegen Rivalen Mitt Romney härter: Team Obama will Opfer von Romneys Zeit als „Gierbanker“ auffahren, die ihre Jobs verloren nachdem seine Investmentfirma „Bain Capital“ Werke gekauft hatte. Für Aufregung sorgt auch ein Sager des kalifornischen Demokratenchefs John Burton, der Romneys Nr. 2, Paul Ryan, wegen dessen „Lügenpropaganda“ mit Obernazi Joseph Goebbels verglich.

Obama – der am Donnerstag bei seiner Rede im Football-Stadion 74.000 Anhänger in einen neuen Taumel stürzen möchte – formuliert ähnliche Vorwürfe vornehmer: Sein Rivale würde einen „fiktive Obama“ kreieren, um Wähler zu schrecken. Die Kandidaten zeigen Nerven, den die Wahl ist ein Umfragen-Thriller: Nach der letztwöchigen Parteitagsshow in Tampa hat der Republikaner Mitt Romney mit Präsidenten Barack Obama gleichgezogen – sogar auf den Dezimalpunkt genau. 46,4 zu 46,4 stand das Duell Dienstag im Durchschnitt aller verfügbaren Umfragen. Obama hat freilich jetzt die Chance, sich mit der Polit-Show in Charlotte samt Starrednern wie Bill Clinton wieder abzusetzen. Romney erhielt für seine Rede in Tampa miese Noten, zeigte jetzt eine „Gallup“-Umfrage: Magere 38 Prozent fanden Romneys Worte inspirierend, ein fast historischer Bauchfleck.

Vor dem „Time Warner Cable Arena“ treffe ich DNC-Chefin Debbie Wasserman-Schultz: „Richtig gut“ sei die Stimmung hier, sie glaube, dass – und jetzt rattert sie wie bei ihren TV-Serienauftrtten die zentrale Botschaft runter – die Amerikaner das Streben Obamas nach einer Wirtschaftserholung vor allem durch eine Stärkung der Mittelklasse eher begrüßen würden als Romneys neue Steuergeschenke für Millionäre. Doch gibt es noch die Obama-Mania wie 2008? Sie lächelt leicht gequält: „Die Energie ist hier…“