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Michelle Obama glänzte am Eröffnungsabend der Obama-Show in Charlotte. Die populäre First Lady brachte die 20.000 in der Arena auf die Beine und sorgte für einen gelungen Start. Es war die „Rede ihres Lebens“, wurde in der Halle sofort geurteilt, sie erneuerte ihre Liebeserklärung an Barack („Ich liebe ihn jetzt mehr denn je!“), wurde seine effektivste „Charakterzeugin“ („Präsident zu sein, verändert dich nicht, es zeigt wer du bist“), beschrieb ihn als Patrioten, der nur an das Wohlergehen Amerikas denke („Es kümmert ihn nicht, ob du ein Demokrat oder Republikaner bist, er weiß, dass wir alle unser Land lieben“) und sie nannte ihn vor allem als Garanten für Frauenrechte.

Michelle, mit 66 Prozent Popularität Obamas „Geheimwaffe“, nannte Mitt Romney nie beim Namen, doch die Seitenhiebe waren unmissverständlich: Sie und Barack seien in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, erzählte sie leise, es wäre ihnen eingetrichtert worden, dass „nur Ehrlichkeit und Integrität zählen, dass es keine Abkürzungen gibt im Leben, dass nur ehrlich verdienter Erfolg zählt“. Am Ende vergoss sie auch noch Tränen, als Michelle über ihre Töchter Sasha und Malia sprach und in die Halle rief: „Ich bin immer noch vor allem Mum in Chief – nichts ist für mich wichtiger als ihr Wohlergehen“.

Die 20.000 Fans in der Halle schwangen frenetisch die ausgegebenen Schilder mit der Aufschrift „We love Michelle“. Es waren TV-gerechte Traumbilder, Mrs. Obama gelang damit ein perfekter Start für die Demokraten-Show – auch wenn sie die Latte für ihren Gatten bei seiner Donnerstagrede extrem hoch legte…

Die „Dems“ trachten in Charlotte vor allem, die alte Begeisterung für Obama bei der Basis wieder zu entfachen. Die Riege an Sprechern erinnerte an Obamas Errungenschaften im Oval Office, andere rechneten knallhart mit Romney ab. Vor allem der erste Latino-Keynotespeaker, San-Antonio-Bürgermeister Julian Castro, wurde mit seiner zündenden und berührenden Ansprache zum Star.

Doch über dem Parteitag hängt weiter die Ungewissheit, ob Obamas Stadion-Rede vor 74.000 wegen vorausgesagter Regenschauer doch noch in die Sporthalle verlegt werden muss. Währenddessen stellt sich heute Bill Clinton mit seiner Rede als Höhepunkt von Tag 2 voll hinter Obama.

Die Republikaner versuchen, Fehltritte zu Skandalen hochzustilisieren: DNC-Chefin Debbie Wasserman-Schultz hätte laut israelischen Medien etwa den Israel-Botschafter zitiert, wonach der vor Romney als „Gefahr für Israel“ gewarnt hätte. Der dementierte jedoch, die Top-Demokratin musste zurückrudern. Demokraten entfernten dazu die Forderung von Jerusalem als Hauptstadt Israels aus dem Partei-Programm. Sogar das Wort „Gott“ wurde gestrichen, was eine Debatte auslöste.

Dazu gab es für Obama teils ernüchternde Resultate von Meinungsforschern: Der Negativ-Wahlkampf gegen Romney und die Attacken der Republikaner haben Spuren hinterlassen: Obamas Popularität stürzt laut ABC/WP-Umfrage auf 47 % ab, dem niedrigsten Wert eines Amtsinhabers vor dem Parteitag seit Start der Umfrage in 1980. Besonders alarmierend: Nur 46 % der Frauen sind zufrieden, 50 % nicht. Romney holt auch hier auf: Obama führt bei Frauen nur mehr mit 6 %.

Die Delegierten am Boden der Sporthalle lassen sich dadurch die Laune nicht verderben. Von Enttäuschung über Obamas Bilanz in der ersten Amtszeit ist nichts zu spüren. „Sein Vorgänger George Bush hatte acht Jahre lang die Nation in den Abgrund geführt“, sagt Mike Prior (64) aus Las Vegas: „Obama hat viel erreicht, doch Reformen brauchen einfach mehr Zeit“. Zu spüren ist aber auch die Angst einiger Demokraten, dass es sich am Ende doch nicht ausgehen und Romney siegen könnte. Die Umfragen seien einfach zu knapp, um sich zurücklehnen zu können. „Das Land ist gespalten – und die Republikaner führen Wähler mit ihren Lügen hinters Licht“, sagt er. Doch am Sitz daneben hofft New-Mexico-Delegierte Priscilla Chavez: „Wenn Frauen wählen gehen, hat Romney keine Chance“. Die hätten die Republikaner mit ihrem frauenfeindlichen Rechtskurs „verschreckt“.

Die Gerüchte über eine mögliche Verlegung der Obama-Rede am Donnerstag vom „Bank of Amerika“-Stadium sorgen für die größte Nervosität unter den Parteitags-Demokraten. „Wenn Regen vorhergesagt ist, ist eine Verlegung wahrscheinlich“, erzählt mir Dianne Segura von der Wahlkampfplattform „Obama for America“. Doch der Verdacht kursierte, dass Team Obama die 74.000 Sitzplätze des Football-Stadiums nicht füllen könnte und mit der „Gewitter-Ausrede“ eine Image-Katatrophe durch gähnend leere Ränge verhindern wolle.

Ein Heer von Souvenir-Verkäufern will auf den mit den 15000 Demokraten vollgestopften Straßen in Downtown Charlotte schnelles Geld scheffeln. Doch der einstige Polit-Messiahs hat Strahlkraft verloren, die Umsätze sind dürftig. Einen Block vor der Arena steht George mit einem der so berühmten „Hope Poster“ (Shepard Fairey). Er glaubt, dass die Leute erst am Nachhauseweg Poster kaufen würden, doch sicher ist er sich nicht. Daneben bleiben andere Verkäufer auf Familienportraits der „First Family“, Fotos von Obama im Oval Office und anderen ausgegrabenen Utensilien des alten Obama-Hypes sitzen. Ein Obama-Song dröhnt aus einer Box fast verdrossen: „Yes we can!“

Ich treffe die Chefin des Parteitages, Debbie Wasserman-Schultz, sie ist aufgedreht: “Richtig gut” sei die Stimmung zum Auftakt der Obama-Politshow, verbreitet sie Zweckoptimismus, sie glaube, „dass die Amerikaner Obamas Politik zur Stärkung der Mittelklasse Romneys Steuergeschenken für Millionäre vorziehen werden“. Doch gibt es noch die Obama-Mania wie 2008? Sie lächelt leicht gequält: “Die Energie ist hier…”