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Es war vielleicht die dümmste Entscheidung eines Politikers seit langer Zeit. Ein wirklich endlos lange Weile ließ sich Bürgermeister Michael Bloomberg nicht aus der Ruhe bringen: Nein, es wäre sicher nichts dabei, wenn am Sonntag 47.000 Läufer quer durch New York rennen, während Zehntausende in völliger Finsternis jede Nacht frieren, in den „Killing Fields“ von Staten Island immer noch Leichen in den Flutzonen gesucht wird und die Strecke durch Bezirke führte, wo New Yorker starben. Es wäre auch ok, wenn für den New Yorker Marathon Ressourcen von den Räumungs- und Rettungsarbeiten abgezogen würden. Immerhin geben die Touris ja auch Geld aus in der Stadt, Sponsoren gibt es auch, und überhaupt wäre die bunten Läufer ja auch mal ein fröhliches Image aus dem Big Apple statt Tod und Zerstörung. Und dass „Sandy“-Flüchtlinge wie wir fast aus den Hotels flogen für die ankommende Horde an Läufern, schien Bloomberg lange auch nicht zu stören.

Freitagnachmittag dämmerte Bloomberg, dass er die immer wütenderen Proteste der New Yorker und das brutale Medienecho gegen die „Runner-Show“ nicht mehr durchhalten konnte: Das Rennen wurde abgesagt. Ein Ruck der Erleichterung ging durch die Stadt, während bei uns in der Hotellobby die Teilnehmer hektisch und verwirrt herumliefen.

Die Einkehr der Vernunft bei Bloomberg und seinen ebenso abgehobenen Freunden der „New York Road Runners“ (NYRR) kam genau im Moment, wo New York die Wende schaffte: Nach Tagen des Chaos schien die Metropole langsam wieder auf die Beine zu kommen: Für 67.000 Kunden an der Lower Eastside und im East Village gingen nach vier finsteren Nächten die Lichter an, im Finanzbezirk liefen die Pumpen nonstopp, Restaurants und Läden reinigten Boden und Fenster, räumten nasse Möbel und verdorbene Lebensmittel raus.

Am Abend strahlte dann erstmals seit Montag der 420 Meter hohe Turm 1 WTC über der getroffenen, aber offenbar doch unverwüstlichen Metropole.