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Supersturm „Sandy“ könnte, wie jetzt bekannt wurde, Wall-Street-Banken Milliardenschäden zugefügt haben: Überschwemmt wurde in Lower Manhattan etwa ein 930 Quadratmeter großer Keller voller Tresorräume: An der Adresse 55 Water Street lagerten laut New York Post 1,3 Millionen Aktien- und Anleihen-Zertifikate, darunter Inhaberschuldverschreibungen, die wie Bargeld verwendet werden können. Der Schaden könnte 70 Milliarden Dollar erreichen, glauben Insider. Der Tresor-Besitzer „Depository Trust and Clearing Corp.“ (DTCC) arbeitet an der Instandsetzung der durchnässten Dokumente. Laut dem Report wird ein Verfahren überlegt, in dem die Zertifikate schockgefroren werden und die Feuchtigkeit beim Auftauen verdunsten würde.

Verluste drohen der Deutschen Bank, JP Morgan Chase, Bank of America, UBS, Citi oder Goldman Sachs. Die Institute schweigen eisern, nur Goldman Sachs wollte einen Schaden von bloß $10.000 eingestehen. DTCC-Sprecherin Judy Inosanto vermochte „aus Sicherheitsgründen“ ebenfalls keine genauen Zahlen nennen, wie viele der wertvollen Dokumente beschädigt wurden. Die Wassermassen waren beim Eindringen in den drei Etagen tiefen Keller des Bürohochhauses direkt am East River stark mit Öl und Fäkalien verschmutzt, die Restaurantion der Papiere sei deshalb umso delikater und schwieriger.

Kaum zu glauben an der ganzen Sache: Wieso bunkert „Wall Street“ seine Schätze in unterirdischen Tresors mitten in einer Flutzone? Sandy hatte vor allem die Ostseite des Finanzbezirkes schwer erwischt – die meisten Bürotürme, darunter „Morgan Stanley Smith Barney“ an der Water Street oder Citigroups Tower an 111 Wall Street sind, drei Wochen nach dem Aufprall des Wirbelsturmes, weiter geschlossen, viele noch stromlos. Dutzende trailer-große Generatoren surren dort Tag und Nacht, die Straße ist ein Wirrwarr aus Pumpschläuchen, Plastikröhren mit Heißluft zum Trockenen der Gebäude und Elektrokabel. Offenbar hat Wall Street genau so wenig Vorausplanung wie der Rest der Metropole angesichts steigender Meeresspiegel und der erwarteten Serie neuer Küstenstürme. Obwohl es bei den Banken ums Geld geht.

Wenigstens eines der größten Golddepots der Welt, die „Federal Reserve“ in der 33 Liberty Street, dürfte – theoretisch wenigstens – sicher sein. Die Tresore mit den 6.800 Tonnen an Goldbarren reichen zwar bis in eine Tiefe von 15 Metern unter den Meeresspiegel, doch das höher gelegene, festungsähnliche Gebäude würde wohl erst bei einem Hurrikan der Stärke drei oder vier in der Flut versinken. Solche Stürme scheinen unwahrscheinlich – vorerst jedenfalls.