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Die 38.000 Polizisten New Yorks sind mitunter schwer zu verdauen. Vor allem in Hinblick auf die ständigen Übergriffe gegen „Occupy“-Demonstranten im Vorjahr oder der andauernden Willkür bei Durchsuchungen von Schwarzen und Latinos („Stop and Frisk“) leidet der Ruf einer der größten Polizeitruppen der Welt.

Doch jetzt wirft die spontane Hilfsbereitschaft eines einzigen Beamten ein viel wärmeres Licht auf die tägliche Arbeit der Ordnungsgüter. Ein einfaches Urlauberfoto machte es möglich: Die kauert Polizist Larry DePrimo am Boden vor einem barfüßigen Obdachlosen nahe der Glitzerwelt des Times Square, neben ihm ein paar Winterstiefel. Der Schnappschuss verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Internet, die bewegende Story erwärmte Millionen gerade zum Adventbeginn.

DePrimo war auf Anti-Terror-Patroille an einem kalten Abend am 14. November, als er auf den Homeless am Gehsteig vor einem Geschäft stieß. „Er hatte keine Schuhe, Blasen an den gefrorenen Füßen“, erzählte der Heldencop US-Medien: „Ich dachte noch, dass kann doch einfach nicht sein…“ Er fragte den frierenden Mann: Wo sind deine Schuhe? Deine Socken? Immerhin erfuhr er die Schuhgröße. Der 25-Jährige, der im teuren New York magere 48.000 Dollar pro Jahr als Cop verdient, ging schnurstracks in ein nahes Schuhgeschäft: Er kaufte gefütterte Winterschuhe und Socken. Als er dem Verkäufer erklärte, für wen der Einkauf sei, half auch der: Jose Cano (27) verwendete seinen Angestellten-Dioscount, um den Preis von $100 auf $75 zu drücken.

Als DePrimo die Schuhe überbrachte und sich niederkniete, drückte Jennifer Foster, eine Urlauberin aus Arizona, mit ihrer Handy-Kamera ab. Sie erinnert sich noch an das Gesicht des Obdachlosen: „Es leuchtete wie bei einer Weihnachtsbescherung“, sagte sie zu NBC. Der hilfsbereite Polizist erinnert sich vor allem an die milden Manieren des Homeless, „der wie ein Gentleman agierte“. Er wusste: „Ich musste ihm helfen, es war ein Moment, wo ich erinnert wurde, was Mitmenschen erdulden müssen“. Jetzt pendelt DePrimo zwischen TV-Studios und Ordensverleihungen.

Freilich, es wäre nicht New York, wenn nicht bereits Gerüchte kursierten, die statt dem Weihnachtswunder ein komplexeres Gesamtbild suggerieren: Melissa Gallaher-Smith schrieb in einem Facebook-Kommentar, dass sie den gleichen Obdachlosen Tage später am Union Square sah – wieder ohne Schuhe. Eine andere New Yorkerin behauptet gar, dass sie ihm letzten Dezember am Times Square bereits Stiefel kaufte, nachdem er barfuß in der Kälte hockte. Zumindest Zweifel sind erlaubt, 0b der „Gentleman“ eher mit seinen blauen Füßen Spenden anlocken will und dann Extrageld mit dem Verkauf geschenkter Schuhe verdient… Ja leider, so gern wir in kollektive Rührung verfallen, die Wirklichkeit ist meist viel nüchterner.