Print Friendly, PDF & Email

Die nach dem Abdruck eines schaurigen Cover-Fotos, das Subway-Opfer Ki-Suk Han Sekunden vor dem Tod durch eine heranrasende Garnitur der Q-Line zeigt, in einen Feuersturm geratene „New York Post“ entsandte nun Freelance-Fotografen R. Umar Abbasi zur Gegenoffensive.

Zur Erinnerung: Der nun gefasste Drifter Naeem Davis (30) hatte den Familienvater aus Queens nach einem Streit in einer Station nahe des Times Square auf die Gleise gestoßen. Zufällig anwesend war Fotograf Abbasi, drei in der „Post“ veröffentlichte, von ihm geschossene Fotos zeigen Han zunächst hilflos auf den Gleisen, dann beim Versuch, auf den Bahnsteig zu klettern, der Zug nur mehr wenige Meter entfernt. Prompt wurde gefragt: Warum hat niemand Han geholfen? Oder, wie es die NYT formuliert: „Wo waren die Helden?“

Ins Visier der Kritik geriet vor allem der Fotograf. Jetzt verteidigte er sich in einem Kommentar in der Post und einem Interview auf NBCs „Today Show“: Er hätte Han nicht helfen können, sagt er: „Die Kritik an mir ist nicht fair“. Abbasi berichtet, dass er zu weit weg stand, um Han zu erreichen, nicht genug Zeit blieb, ihn heraufzuziehen. Er habe deshalb mit seiner nach einem Foto-Assignment umgehängten Kamera beim Hinlaufen losgeblitzt, um wenigstens den Zugführer zu warnen. „Natürlich hätte ich ihm geholfen, wenn ich es bis zu ihm geschafft hätte“, sagt er im NBC-Stuido – in die Zange genommen von dem Moderatoren Matt Lauer und Savannah Guthrie. Die Fotos seien dabei zufällig entstanden, sagte er, in die Entscheidung, sie zu veröffentlichen, sei er nicht eingebunden gewesen.

Ohne die Aussagen weiterer, möglicherweise widersprechender Zeugen verdient Abbasi freilich Respekt, er hat das Recht, nicht vorverurteilt zu werden. Seltsam scheint nur die in der „Post“ publizierte Sequenz von drei Bildern, so die Website iMediaethics: Beim ersten hockt Opfer Han auf den Gleisen, der Zug scheint noch mehrere hundert Meter entfernt, beim zweiten richtet er sich auf, im dritten – dem nun unrühmlichen Cover-Foto – versucht er am Bahnsteig zu klettern. Alle drei Bilder scheinen vom der gleichen Stelle geschossen, Abbasi war daher offenbar nicht sonderlich rasant in Bewegung. Dazu wirkt das Coverfoto zu „perfekt komponiert“ für einen Zufallstreffer eines rennenden, wild mit einer Kamera blitzenden „Warners“. Anzunehmen ist, dass weitere Zeugen in Kürze mehr Aufklärung bringen.

P.S.: Es wäre nicht das makabere New York, wenn nicht bereits Tips für künftige, auf die Gleise geschubste Opfer publiziert würden: Gawker zitiert Experten, die das Weglaufen vor dem Zug auf den Gleise empfehlen bis zum Ende des Bahnsteiges, wo die Garnitur mit Sicherheit hält. Eher den Tod bringen könnten die anderen drei Varianten: Warten auf Hilfe (wie im Fall Han…), dem Ausharren zwischen den Gleisen (wegen der Stromschiene) oder dem Flach-am-Boden-Liegen (wegen der unterschiedlichen Bodenfreiheit der Garnituren). Willkommen in New York jedenfalls…