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Knapp nach der berührenden Gedenkminute für die 26 Newtown-Opfer meldete sich die mächtige Waffenlobby „National Rifles Association“ (NRA) erstmals nach dem Massaker zu Wort: Der Chef Wayne LaPierre, der einst Bill Clinton vorwarf, wegen dem Kampf für strengere Waffengesetze „Blut an den Händen“ zu haben, forderte bei einer Pressekonferenz im Headquarter in Virginia bewaffnete Guards in jeder Schule Amerikas. Die Wachmannschaften sollen bis zum Schulbeginn Anfang Jänner bereitstehen. Die NRA wolle dabei mit einer eigenen Task-Force helfen.

Ohne die extreme Verbreitung tödlicher Sturmgewehre und großer Munitionsmagazine mit einem Wort zu erwähnen, schob LaPierre Politikern und den Medien die Verantwortung an dem Massaker zu. Sie würden, so der Hardliner, indirekt Mitschuld am Tod der 20 Kinder tragen, da sie bewaffnete Guards an Schulen bisher verhinderten. Mitverantwortlich sei auch Hollywood und die Musikindustrie, die ein „Klima der Gewalt“ schufen. LaPierre verlangte dazu die Schaffung einer nationalen Datenbank, wo alle Menschen mit mentalen Krankheiten registriert werden sollen. Demonstranten unterbrachen die Rede des NRA-Fanatikers mehrmals. Einer schrie: „Die NRA hat Blut an den Händen!“

Sie ballern die Waffennarren weiter. Mehr denn je. Seit dem Massaker an der „Sandy Hook“-Grundschule in Newtown (Connecticut) stürmen Amerikaner Schießplätze und Waffengeschäfte. Sie fürchten, dass US-Präsident Barack Obama (51) die Waffengesetze drastisch verschärfen könnte. Vor allem militärische Sturmgewehre stehen auf der Abschuss-Liste des White House.

Lokalaugenschein an der „Wooster Mountain Shooting Range“, 15 Autominuten von der Todesschule entfernt, wo Psychokiller Adam Lanza (20) mit einem Sturmgewehr 20 Kinder und sechs Erwachsene ermordete.

„Der Zahl an Kunden hat sich in den letzten Tagen stark gesteigert“, sagt Besitzer Dean Price (58). Er lächelt fast ein wenig hämisch dabei, während der Kettenraucher in Nieselregen den Schießplatz herzeigt. Stunden zuvor hallten hier Schüsse durch den Wald, drängten sich Schießwütige.

Noch jedes Massaker hätte den Zulauf gesteigert, sagt Price: „Doch diesmal mischt sich auch die Sorge von Waffenbesitzern dazu, dass es Obama ernst meinen könnte“. Ob er oder seine Kunden sich mit Waffengewalt gegen eine mögliche Beschlagnahme der Arsenale besonders letaler Faustfeuerwaffen zur Wehr setzten könnten, will er nicht sagen. Der Andrang auf den Übungsplatz jetzt könnte aber darauf hindeuten.

Ein Reporter der „Daily News“ beobachtete, wie Angestellte eines Waffengeschäftes drohende, strengere Waffengesetze eiskalt als Verkaufsargument nützen: „Sie haben nur mehr bis März Zeit“, beschwor ein Verkäufer einen Kunden, der sich für ein Sturmgewehr interessierte: „Obama wird den Verkauf dann verbieten, so viel ist sicher“.

Sturmgewehre ähnlich der Mordwaffe „Bushmaster AR-15“ sind bei der US-Großhandelskette Walmart vielerorts bereits ausverkauft, so der Nachrichtendienst „Bloomberg“: Bei Suchen auf Walmart-Websites in Pennsylvania, Kansas und Alabama hieß es „Out of Stock“ (nicht auf Lager). Ein dramatischer Anstieg der Waffenkäufe wird aus ganz Amerika gemeldet. Die Preise für große Magazine mit 30 Patronen hätten sich am Internet-Laden EBay schon verdreifacht.

Laut Schießplatz-Besitzer Price habe Mörder Lanza, der mit seiner Mutter Nancy (†52) oft übte, hier nicht trainiert. Die US-Waffenbehörde ATF hätte Stunden nach dem Massaker seine Log-Bücher durchwühlt. Price hat aber gehört, dass Lanza in der „Shooter Pistol Range“ im Ort New Milford trainiert haben soll. Von mir kontaktiert ist die Reaktion dort harsch: „Wir kommentieren das nicht“, brüllt jemand ins Telefon.

Am Schießplatz ist Price überzeugt, dass Killer Lanza am ehesten im Wald nahe des Hauses der Mutter in Newtown für das Massaker geübt hatte. Dort hätten Nachbarn „Schüsse gehört“, sagt er.