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Die Schifffahrtslinie „Carnival Cruise Lines“ hat sicher bei der Havarie des Kreuzers „Carnival Triumph“ einige Versäumnisse zu verantworten. Doch ob die (Miss)Manager einen derart langen, brutalen Tag verdienten ist fast diskussionswürdig. Nicht seit BPs „Deepwater Horizon“-Katastrophe und dem hilflosen, stümpernden CEO Tony Hayward erlebte ein Multi eine derartige öffentliche Hinrichtung.

Es ist liegt wohl auch an der Macht der TV-Bilder: CNN sendete Donnerstagmittag erstmals Helikopter-Live-Bilder das seit einem Feuer am Sonntag strom- und antriebslosen Havarie-Dampfers mit 3142 Passagieren und 1086 Crew. Kurz: Was die Welt sah war eine Art „schwimmendes Katrina“. Passagiere hatten Transparente aufgehängt: „Help us!“, „WE R NOT OK“. Andere schwangen Lein- oder Badetücher. An Deck campten Urlauber bei frostigen 10 Grad unter Bettdecken, nachdem der Gestank drinnen durch überlaufende Klos, mit Urin durchtränkte Teppiche oder verrottendes Essen seit Tagen unerträglich ist.

Die quirlige (oft nervende) CNN-Moderatorin Ashley Banfield schloss dann auch noch live auf Sendung per Telefon die 12-Jährige Rebecca mit ihrer an Land wartenden, ängstlichen Mutter kurz. „Ich kann nicht warten, dich endlich in die Arne zu nehmen“, schluchzte die. Rühr-TV, keine Frage. „Ich lieb  TV“, jubelte Banfield. Freilich passten die Szenen und Bilder völliger Verzweiflung unter den Passagieren nach fünf Tagen Horror an Bord (kein Strom, keine Klimaanlage, kaum Essen) nicht ganz zur Schönrederei des „Carnival“-Vizechefs Terry Thornton Minuten davor: Das Schiff sei in „guter Verfassung“, tönte er am Pier in Mobile (Alabama), wo der Stinkkahn Donnerstag kurz vor Mitternacht erwartet wurde. Bis dahin waren es noch endlos viele Live-TV-Stunden mit den Bildern des angeschlagenen Dampfers und Berichten über die flüchtlingslager-ähnlichen Zustände.

Was natürlich viele Urlauber verdrängen, wenn sie eine Kreuzfahrt buchen: Wenn auf hoher See was passiert., wird die Lage rasch ernst. Ein Experte sagte nüchtern: Nach dem Brand hätte es kaum gute Optionen gegeben, das Rückschleppen in die USA schien die logischste Lösung. Nachsatz: „Sie können die Leute ja nicht runter-beamen…“