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Es war wieder mal ein epischer und teurer Bauchfleck der US-Wetterfrösche: Als Wintersturm „Saturn“ (die dämlichen Namen kommen vom „Weather Channel“, wir erinnern uns an „Nemo…“) heranrollte hatten sich die Medien in der Hauptstadt DC wieder mit Superlativen übertroffen: Ein „Snowmageddon“ wurde geortet, ein „Snowquester“ in humoriger Anspielung auf den jüngste Schlacht um die „Sequester“-Sparbombe.

Vorhergesagt waren 20 Zentimeter, das klingt natürlich nicht nach einer alles erstickenden Tuchent. Doch die Hauptstadt der Supermacht ist in Sachen Schneeräumung so dürftig aufgestellt, dass sie bereits durch ein Paar Zentimeter Schneegatsch zum Erliegen kommt.

Eine Million Schüler blieben wegen der Horror-Prognosen zu Hause, Beamte und Arbeiter ihren Büros fern. Doch dann standen die an jeder zweiten Ecke positionierten Wetter-Reporter mit ihren Schneemesslatten verloren im Nieselregem. Dabei war genau dieses Szenario vorhergesagt – von den Europäern jedoch und nicht von „U.S. National Weather Service“.

Es war ein weiterer Sieg des „European Models“, wie US-Meteorologen nun stets auch die Vorhersage von jenseits des Atlantik bei ihren Prognosen prominent erwähnen. Das „American Model“ haute mit seiner Vorhersage eines totalen Schneechaos in Washington daneben, was immer öfter passiert.

Berühmt wurde das „European Model“ mit Supersturm „Sandy“, dessen Gefahr die Europäer zwei Tage früher  erkannten und dessen Bahn sie fast Kilometergenau prognostizierten. Seither gilt bei jedem neuen Sturmtief die Vorhersage aus Übersee als zuverlässiger. Selbst stolze Ami-Meteorologen geben zu: Ihre antiquierte Wetterbehörde kann nicht mehr mithalten. Das „European Center for Medium Range Weather Forecasting“ (ECMWF) verfüge, lamentieren US-Experten auf der „National Geographic„-Website, über weit mehr Computer-Power. Sie könnten ihre Modelle mit doppelt so hoher Resolution berechnen, was in den komplexen, dreidimensionalen Rastern eine bedeutende Rolle spiele.

Das Hinterherhinken der US-Meteorologen ist nicht nur peinlich, sondern kann auch teuer und gefährlich werden. Behörden verlassen sich immer noch bei der Vorbereitung vor Megastürmen (samt Evakuierungsbefehlen) auf die US-Wetterdienste. Experte Cliff Mass von der Uni in Seattle fordert nun die Anschaffung leistungsstärkerer Rechner: „Es ist eine Schande, vor allem, da die Wettervorhersage in den USA erfunden wurde“.