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Es ist entweder einer der perfidesten Cyber-Attacken seit langem oder ein gewaltiger „Hoax“. Fest steht: Der Hacker-Skandal um die vermeintliche Veröffentlichung von Finanzdaten von Amerikas Prominenz aus Hollywood, TV, Musik und Politik eskaliert stündlich. Und der Krimi wird immer mysteriöser.

Das Drama begann am Montag, als auf einer obskuren Website mit dem Titel „The Secret Files“ mit einer Landes-Internetkennung der alten Sowjetunion (.su) Finanzdaten und Sozialversicherungsnummern von Promis wie Beyonce, Jay-Z, Ashton Kutcher oder Paris Hilton, aber auch von Ex-Außenministerin Hillary Clinton, FBI-Direktor Robert Mueller oder Vize Joe Biden auftauchten. Die Site zeigt das Gesicht eines punkigen Girls mit schwarz umrandeten Augen, die den Finger über den Mund hält. „Pssst…“ Im Hintergrund spielt Gruselmusik wie aus einem B-Movie.

Während FBI und „Secret Service“ ermitteln, wird die Opferliste länger. Fast wie bei einer Art elektronischem Waterboarding tauchen immer neue Namen auf mit Links zu ihren angeblichen Finanzgeheimnissen: First Lady Michelle Obama folgte, „Tea-Party“-Ikone Sarah Palin, Tycoon Donald Trump oder Ex-Vize Al Gore – zwischendrinnen auch Ex-Kalifornien-Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Veröffentlicht wurden bei allen Opfern außer Hillary und Biden die „Credit Reports“, welche die Kreditwürdigkeit von Personen beurteilen. Aufgeführt sind darin Außenstände bei Kreditkarten-Konten, Hypotheken oder Autokredite.

Die Dokumente wirken dem Anschein nach echt, doch falsche Telefonnummern und Adressen werfen Fragen nach einem möglichen „Scherz“ auf, so der Sender ABC. Die Drahtzieher könnten die Promis in den Augen der Öffentlichkeit lächerlich machen wollen, zitiert der Sender einen Experten. Wie mir das Adressbuch meines iPhone gleich verriet, ist etwa Arnies angeführte Telefon-Nummer in Wirklichkeit jene des Drehbuch-Schreibers Randall Wallace. Arnie hatte sich einmal für eines seiner Drehbücher interessiert.

TMZ berichtet unterdessen, dass die Hacker große Fans des Serien-Killers „Dexter“ aus der Showtime-TV-Serie (siehe Foto) sein müssen. Auf der Website steht ein Zitat des TV-Mörders, im Quellcode seien dazu Youtube-Videos mit Dexter-Ausschnitten eingebettet. Erstaunlich angesichts der möglicherweise brisanten Inhalte jedenfalls: Stand Dienstag war die Website immer noch erreichbar, ein antiquierter Zähler wie aus den Neunzigern hielt bei 227.234 Besuchern.

Das FBI riet den Opfern jedenfalls, ihre Bankkonten sperren zu lassen: Ermittler in LA vertrauten TMZ an, dass die Gauner nicht nur Publizität suchen – sondern mit den Infos, sollten sie echt sein, auch Konten leeren könnten.