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Samsungs Galaxy S4 begeisterte bei der Handy-Präsentation des Jahres vor 3000 Reportern, Investoren und Fans in New York. Der Konzern kann damit wohl etwas Aufatmen: Denn kaum eine Firma zuvor schuf derart getrieben und aufwendig einen Hype, der selbst eigenen Manager am Ende unheimlich wurde. Der Aufwand war beträchtlich: Mit der New Yorker „Radio City Music Hall“ wurde eine der legendärste Bühnen der Welt als Schauplatz der Mega-Show gewählt, der Konzern ließ tausende Journalisten aus allen Erdteilen Geschäftsklasse nach New York fliegen, organisierte dazu Heil-Rundflüge und verpflegte seine Gäste in Nobellokalen.

Doch immerhin: Es scheint sich ausgezahlt zu haben. Der Launch des Galaxy S4 könnte bereits der Tech-Event des Jahres gewesen sein.

Samsung sorgte jedenfalls für Headlines, die den Rivalen Apple aus der zuletzt innovativen Lethargie reißen dürften: Das Gerät wird durch eine Art Augensteuerung zum „Eye-Phone“, damit wird ein neues Kapital der Kommunikation mit „Maschinen“ aufgeschlagen. Die Technik ist freilich bisher nur rudimentär: Das S4 erkennt bloß, ob der Nutzer auf den Schirm sieht oder nicht. Dadurch lässt sich ein Film beim Wegsehen pausieren („Smart Pause“), oder durch zusätzliches Kippen ohne Berührung des Schirmes weiter-scrollen („Smart Scroll“). Das Samsung hier Innovationsgeist zeigt, ist lobenswert. Der praktische Nutzen aber eher fraglich: Kann ja sein, dass ich mein Video gar nicht bei jedem Blick aus dem Fenster unterbrechen möchte… Und „Smart Scroll“ hat bei den Tests nach der Präsentation noch nicht richtig funktioniert.

Die Südkoreaner lieferten jedoch insgesamt das Handy mit dem besten Schirm (5-Zoll-AMOLED-Full-HD 1920 x 1080 Pixel, 441 PPI) und dem schnellsten Prozessor (Achtkern-Exynos 5, 1,6 GHz). Viel Applaus gab es bei der 50-Minuten-Show für die 13-Megapixel-Kamera samt ausgeklügelten Software-Innovationen zur Auswahl des besten Fotos oder Videos, der Steuerung mit Gesten ohne Berührung des Schirmes, ausgetüftelten Übersetzungsprogrammen und Sprachsteuerung beim Autofahren.

Zum Design: Das S4 sieht dem Vorgängermodellen ähnlich – was schon im Vorfeld zum Raunen unter Fans führte, die auf ein eleganteres Aussehen hofften. Doch das verwendete Polycarbonat-Gehäuse liegt mit der gewölbten Rückseite gut in der Hand. Das S4 wurde mit 7,9 Millimeter erstaunlich dünn und leicht (130 Gramm). Das Super-Display ist die große Attraktion: Satte Farben, gestochene Bilder und tolle Kontraste machen Lesen, Surfen, Videoschauen oder Navigieren zum Vergnügen. Auch die Tastatur ist größer, das Tippen fiel mir leichter.

Die für mich praktischste Neuerung ist „Floating Touch“, eine clevere Erfindung der Samsung-Tüftler: Nähert sich der Finger dem Schirm poppen kleine Vorschaufenster auf – zeigen, was in einer Mail steht, die Adresse eines Termins oder die Spielzeit eines laufenden Vidoes. Praktisch. Das erleichtert die Entscheidung, ob eine Mail gleich geöffnet werden soll oder ob es unwichtiges ist. Beim Vortrag wurde verkündet, dass sich der Touchscreen auch mit Handschuhen bedienen lässt. Ich hätte wohl solche zum Testen mitbringen sollen.

Clever fand ich die Features bei der Foto- und Video-Bearbeitung: Mit der Dual-Kamera-Funktion arbeitet das Gerät mit beiden Linsen, nimmt etwa Mutter und Sohn auf, aber auch „Dad“ hinter der Kamera. In einem Fenster dazugeschaltet sind dann alle am „Familienvideo oder Foto“ drauf. Fotos können mit Ton unterlegt werden: Oma hört dann etwa beim Bestaunen der Enkel-Bilder auch deren Stimmen (zu hoffen ist, dass die Kleinen nicht gerade einen Tobsuchtsanfall hinlegen im Moment des Knipsens…). Cool ist „Drama-Shot“: Macht 100 Fotos in vier Sekunden, zeigt die besten auf einem Schirm zur Auswahl. Mit „Eraser“ können ungewünschte Hintergrund-Objekte oder ins Foto latschende Personen gelöscht werden. Dennoch wird im Test offensichtlich, dass die vielen Features anfangs leicht verwirren.

Mit Zusatz-Sensoren wird das neue Galaxy zum Gesundheits-Tracker, die App „S-Health“ misst etwa Kalorien-Abbau, Puls, sogar mit Sonderzubehör den Schlafrhythmus, stellt Blutdruck und Blutzuckergehalt fest.

Wie gut alles wirklich funktioniert wird sich erst nach dem Verkaufsstart zeigen – viele der „Test-Prototypen“ funktionierten (eigentlich peinlich!) nicht einwandfrei. Und man wird sehen, was Spielerei und was echte Innovation ist. Doch klar ist: Apples iPhone hat einen echten Rivalen, ist beim „5S“ gefordert.