Vielleicht haben viele in Washington ja auch gehofft, die Gefangenen im US-Terror-Anhaltelager in Guantanamo Bay würden einfach irgendwann still und heimlich wegsterben. Dann könnte das leere Lager geschlossen und ein Schlussstrich unter ein finsteres Kapitel der US-Geschichte gezogen werden.

12 Jahre nach dem Aufsperren des Anti-Terror-Gulags im rechtsfreien Raum auf der US-Basis in Kuba durch „Anti-Terror-Krieger“ George W. Bush gibt es noch keine einzige Verurteilung. Bushs Nachfolger Barack Obama scheiterte beim – halbherzigen – Versuch, die Gefangenen in US-Gefängnisse zu verlegen und ihnen vor Zivilgerichten den Prozess zu machen, am Widerstand rückgratloser Lokalpolitiker – vor allem in New York. Das internationale Ansehen der Supermacht wurde aufgewogen mit dem Bedenken von Läden rund um „Ground Zero“, die Geschäftseinbußen durch die Sicherheitsvorkehrungen während der Terror-Prozesse gegen 9/11-Chefplaner Khalid Sheikh Mohammed & Co befürchteten. Aber wie gesagt: Wirklich ins Zeug legte sich auch Obama nicht, der nach seiner ersten Vereidigung noch vollmundig die Schließung Guantanamos  versprach.

Doch die noch 166 Häftlinge wollen dort nicht mehr still auf ihr Ende hinter Gittern aus Altersschwäche warten. Guantanamo Bay kann deshalb kaum mehr lange unter den Teppich gekehrt werden wie bisher: Bis zu 15 Häftlinge begannen im Februar einen Hungerstreik, dieses Wochenende kam es gar zu einer offenen Revolte, als Häftlinge mit „improvisierten Waffen“, so Reports, US-Soldaten attackierten. Die feuerten mit Gummigeschossen zurück. Die Lage wird jeden Tag angespannter: Durch die hoffnungslose Lage haben Insassen nichts mehr zu verlieren.

In einem dramatischen Appell in der New York Times beschrieb Häftling Samir Naji al Hasan Moqbel, der in Afghanistan als angeblicher Osaama-Bin-Laden-Bodyguard aufgegriffen wurde und seit 2002 in Guantanamo einsitzt, den Horror in dem Terroristenlager: „Ich bin seit 10. Februar im Hungerstreik, ich bin hier eingesperrt seit elf Jahren und drei Monaten, ich wurde wegen keinem Verbrechen angeklagt, ich habe nie einen Prozess erhalten“, schrieb er. Moqbel, der seine Unschuld beteuert, berichtete, dass ein Hungerstreiker auf 34 Kilo abmagerte, ein anderer auf 44. Als er selbst die Nahrung verweigerte, hätten ihn Soldaten in „Riot Gear“ auf ein Bett geworfen, gefesselt und eine Infusionsnadel zur Zwangsernährung angebracht. Er werde immer noch zwangsernährt, schreibt Moqbel, Widerstand begegnen die Wärter zunehmend mit offener Brutalität.

Obama ist für die Schaffung des Guantanamo-Albtraumes nicht verantwortlich: Doch er kann sich nicht mehr viel länger mit bloßer Untätigkeit aus der Affäre ziehen. Die „Hoffnungslosen von Guantanamo“ werden es nicht zulassen…