Es war kein Wunder, dass es beim Neubau des „World Trade Centers“ zuletzt spannend blieb: Eigentlich hätten bereits am Montag die letzten beiden Segmente der Turmspitze montiert werden sollen, wie der Erbauer „Port Authority“ mit Fanfaren (wie bei jedem „Meilenstein“) ankündigte. Dann war es jedoch zu windig. Oder vielleicht zu trüb für die üblichen Gruppenbilder mit stolzen Lokalpolitikern.

Dienstag sollte ein neuer Anlauf stattfinden. Während des Schreibens verriet ein Blick aus dem Fenster jedoch noch keine sonderlichen Aktivitäten.

Mit der vollen Höhe des Masten, gleichzeitig TV-Antenne und Kommunikationseinrichtung, erreicht 1 WTC 541 Meter Höhe. Damit wäre der Turm des höchste Gebäude der „westlichen Hemisphäre“, so die Erbauer. Tatsächlich kann sich der Tower sehen lassen in der globalen Skyscraper-Parade: Höher ist nur das „Royal Clock Tower Hotel“ in Mekka mit 601 Metern und natürlich Dubais „Burj Khalifa“ (828 Meter). Doch es würde nicht zur chaotischen Geschichte des WTC-Wiederaufbaus nach 9/11 passen, wenn diese Superlative nicht auch bis zuletzt umstritten blieb: Der verwundene, verglaste Stahlbau in Lower Manhattan erreicht seine luftige Höhe nur mit der 124 Meter hohen Nadel. Denn das Dach über der Aussichts-Etage erreicht „nur“ 416 Meter Höhe. Damit würde 1 WTC nur auf Rang 16 der Liste der höchsten Welt-Gebäude landen.

Das finale Wort hat das „Council on Tall Buildings and Uran Habitat„, dessen Kürzel CTBUH sich anhört wie eine exotische UN-Organisation. Das 1969 in Pennsylvania gegründete, internationale Gremium muss entscheiden, ob die Spitze eine Nadel oder bloße eine Antenne ist. Letztere werden nicht zur Gesamthöhe gezählt, eine „Spire“ (Turmspitze) jedoch schon. Die Debatte begann, als die Architekten im Vorjahr einen schlankeren Entwurf der Spitze einreichten – der tatsächlich nun mehr einer Antenne als einer voll in das Gebäude integrierten Struktur gleicht.

Doch immerhin: Elfeinhalb Jahre nach dem Terror-Horror hat Lower Manhattan seine Skyline wieder. Und das ist den New Yorkern wichtiger als akademische Debatten über Nadeln und Antennen…