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Freudige Gesichter bei der Waffenlobby NRA bei ihrem jährlichen Treffen in Houston: 70.000 Schießprügel-Enthusiasten werden bei der dreitägigen Solidaritätsschau des so unbelehrbaren wie hochgerüsteten Amerikas erwartet, 500 Aussteller zeigen den letzten Stand der Waffentechnologie. Auch die Sprecherliste spricht für sich: Tea-Party-Furie Sarah Palin, Mr. „Brain Freeze“ Rick Perry, Christen-Fundi Rick Santorum. Kein einziger Demokrat steht auf der Liste.

Wie viel Kompromissbereitschaft von dort in der nationalen Waffendebatte zu er erwarten ist, darf geraten werden. Das Motto des Treffens bringt die Stimmung in Houston auf den Punkt: „Stand and Fight!“ Das passt gut zur jüngsten Umfrage, wonach bereits gut 20 Prozent, die meisten im US-Süden, einen künftigen, bewaffneten Aufstand gegen die Regierung in Washington für unausweichlich halten. Viele in dieser Gruppe erachten den amtierenden Präsidenten ja für einen in Afrika geborenen, kommunistischen Moslem-Diktator. So gesehen ist ihre Paranoia fast verständlich. Irgendwie liegt eine Art Neuauflage des Bürgerkrieges in der Luft. Besonders auch nachdem ausgerechnet ein Brite, Piers Morgan auf CNN. zum wortgewaltigsten Fürsprecher strengerer Waffengesetze wurde.

Angesichts der Aufrüstung kann einem fast wirklich Angst und Bange werden: 2,5 Millionen Feuerwaffen wurden im Jänner 2013 verkauft, fünfmal so viele wie im gleichen Monat in 1999 unter dem, von dem Rechten auch nicht sonderlich geschätzten Bill Clinton.

Man fühlt sich in Houston belagert von den nervigen Debatten nach dem Masskern von Tucson, Aurora und Sandy Hook. „Seit Monaten haben unsere Feinde unsere wohlerworbenen Rechte umzingelt“, gibt NRA-CEO Wayne LePierre Kampfparolen aus. Irgendwie redet der schon wie ein General im Bürgerkrieg 2.0.

Dabei tragen viele Teilnehmer die Genugtuung über den jüngsten Sieg im Kongress offen zur Schau: Nicht einmal den Minimalkompromiss allgemeiner Personenüberprüfungen bei Waffenkäufen brachten Obama und die Newtown-Familien durch den Senat.

Doch wie oft scheint gerade in Zeiten des Triumphes der Zenit der Macht erreicht: Die „Gun Control“-Bewegung hat von der NRA gelernt, ihre Taktiken werden kopiert: Eine Handvoll an Senatoren wurde für einen Gegenangriff ausgewählt: Die von Milliardärs-Bürgermeister Michael Bloomberg finanzierte Gruppe „Mayors against Illegal Guns“ schaltet  gezielte TV-Spots, Angehörige von Opfern der Waffengewalt stellen die Politiker bei Bürgerversammlungen zur Rede. Kelly Ayotte, Senatorin aus New Hampshire, wurde etwa vor wenigen Tagen von der Tochter der getöteten Sandy-Hook-Direktorin in Verlegenheit gebracht. Die Kampagne zeigt Wirkung: Die Popularität vieler Senatorin stürzte um bis zu 20 Prozent.

Und nachdem sich die Abgeordneten wie die Fähnchen im Wind drehen, müsste sich die NRA langsam Sorgen machen…