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Es waren wieder ambitionierte Worte bei der Vereidigungsrede von US-Präsidenten Barack Obama im Jänner: Er versprühte Aufbruchstimmung, eine ambitionierte Reformagenda, wollte die Nation wieder zusammenführen. Kurz: „Change 2.0“. Das war vor knapp vier Monaten. Heute redet kaum noch wer von Obamas Agenda (Immigration, Waffenkontrollen). Eher wird ein ganz anderes Phänomen von Präsidenten nach ihrer Wiederwahl beleuchtet: Den „Second-Term-Fluch“.

Dabei geraten die Männer im Oval Office, gerade als sie sich ihren Platz in den Geschichtsbüchern sichern wollen, oft in eine unheimliche Serie an Skandalen. Richard Nixon wurde mit „Watergate“ aus dem Amt gejagt. Ronald Reagan versank im Sumpf des Iran-Contra-Skandals. Und Bill Clinton? Da tat sich bekanntlich auch einiges rund um das Oval Office.

Bei Obama drängt sich nun der Verdacht nach einem möglicherweise ähnlichen Schicksal auf nach einer echt lausigen Woche: Zuerst wurde der Bengasi-Skandal von den Republikanern mit einem Senats-Hearing erfolgreich wiederbelebt. Prompt tauchten Emails auf, die ein weit offensichtlicheres „Schönreden“ des Versagens bei der Terror-Attacke auf das US-Konsulat, bei dem vier Amerikaner starben, belegen. Bei der Vorbereitung für den unrühmlichen TV-Auftritt von UN-Botschafterin Susan Rice, wo sie von einer Demonstration gegen einen Moslemhassfilm redete, wurden ihre „Talking Points“‚, ursprünglich aufbereitet von der CIA, vom White House und dem State Department 17 mal abgeändert. Am Ende war von Terror keine Rede mehr. Die Republikaner behaupten, Obama wollte eine Terrorattacke knapp vor den Wahlen verschleiern.

Bengasi ist nicht Obamas einziges Problem. Der Skandal mit weit größerer politischer Sprengkraft platzte Ende letzter Woche: Die US-Steuerbehörde IRS hatte die rechte „Tea Party“-Bewegung besonders genau unter die Lupe genommen, wurde bekannt. Die Rechten wettern jetzt natürlich über politische Verfolgung und einer orchestrierten Aktion – hinter der wohl Obama & Co stecken müsse. Von einem „perfekten Sturm“ sprach bereits Politschreiber Ron Fournier. Washington DC hat wieder das Jagdfieber gepackt. Die Republikaner, die eigentlich als Partei der alten, weißen Männer, im Multi-Kulti-Amerika die Existenzängste plagen müssten, haben Blut geleckt. Sie wittern eine Chance, den Demokraten auch bereits in Hinsicht auf die 2016-Wahl schaden zu können – besonders natürlich Hillary-Clinton, die das Bengasi-Chaos großteils zu verantworten hat.

Obama hat noch dreieinhalb Jahre, Schwanengesänge sind sicher verfrüht. Dennoch: der Beginn seiner zweiten Amtszeit ist als Fehlstart zu bewerten. Dabei war er sich über den „Fluch“ bewusst, wie er in einem Interview zugab. „Darüber zu wissen“, sagte Historiker Michael Beschloss zur „Washington Post, „verhindert aber offenbar nicht, dass er nicht zuschlagen kann…“