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Fast erinnert das Drama an den Hollywood-Thriller „Twister“ – nur ohne Happy End. Wie Sonntag bekannt wurde, starben beim Tornado-Outbreak über Oklahoma City drei Tornado-Jäger, darunter der Star der Szene, Tim Samaras (56). Ums Leben kamen in dem Inferno auch sein Sohn Paul (24) und Crew-Mitglied Carl Young (45).

Der Freitag begann mit einem ominösen Tweet des Veteranen: „Sturmzellen bilden sich südlich von Watonga, gefährlicher Tag liegt vor uns“. In einem attacheten Foto formieren sich gegen den blauen Himmel die ersten Gewitterwolken. Am späten Nachmittag brach dann über dem Großraum Oklahoma City (eine Million Einwohner) der Horror los. Binnen kurzer Zeit lag eine gigantische Gewitter-Superzelle über der Metropole, an deren Südrand sich mehrere Tornados bildeten.

Selbst die erfahrensten Tornado-Jäger waren samt ihren mit 3D-Radar-Geräten hochgerüstetem, rollenden Wetterstationen überfordert. Einige der Twister waren wegen sintflutartigem Regen nicht zu sehen, andere änderten erratisch die Kurs: Ein SUV des „Weather Channels“ mit der Aufschrift „Tornado Hunt 2013“ wurde 180 Meter weit durch die Luft geschleudert, die Insassen kamen aus dem Wrack mit dem Schrecken davon. Zwei weitere „Chaser“ brüllten „Duck dich!“ als die Trümmer einer sich vor ihnen auflösenden Scheune gegen die Windschutzscheibe krachten.

Samaras und sein Team hatten weniger Glück. Bei der Flucht vor dem Twister nahmen sie im Vorort El Reno die falsche Abzweigung. Ein mutmaßlicher EF-3-Torando erfasste das Fahrzeug. Samaras wurde innerhalb des Wracks gefunden, er war noch angeschnallt. Die zwei weiteren Opfer wurden aus dem Auto gesaugt, einer 800 Meter weit entfernt tot gefunden.

Samaras erinnerte an die Figur des Bill Harding (gespielt vom Bill Paxton) im Kinohit Twister: 2003 gelang es ihm Messinstrumente in der Vortex eines EF-4-Tornados nahe der Stadt Manchester (South Dakota) freizusetzten. Die verzeichneten mit 100 Millibar den stärksten, jemals gemessenen Druckabfall (Samaras schaffte es damit ins Guiness-Buch der Rekorde). Der Pionier gründete die Firma TWISTEX zur Erforschung der Killer-Windhosen. Er erhielt Forschungsgelder von der „National Geographic Society“, in der Sendung „Storm Chasers“ im Discovery Channel wurde er zum TV-Star. Die Szene ist geschockt, über Twitter kamen Beileidswünsche im Minutentakt. Viele sind fassungslos, da Samaras immer größten wert auf die Sicherheit legte und keinesfalls als Draufgänger verschrien war.

Nach dem Schock regt sich aber auch Kritik über die Gefahren des immer populäreren Tornado-Jagens: Crews würden für die besten Bilder und Videos am Weather- oder Discovery-Channel aber auch CNN zu viel riskieren. Dazu gesellen sich auch viele Amateure, die oft sogar ohne Messgeräte Tornados in der Hoffnung nach einem YouTube-Hit jagen. „Storm-Chaser wurden Teil unserer Popkultur“, schrieb die NYT: In neuen Reality-TV-Shows sind sie so berühmt wie Starköche oder Designer. Viele rechtfertigen sich, dass die Tornadojagd auch der Wissenschaft diene – doch meist geht es eher um Quoten. Die Oklahoma-Tragödie war ein Weckruf. Vor allem, da selbst die Allerbesten in der Szene überrascht wurden…