Print Friendly, PDF & Email

Die Verwirrung bei der Flucht des US-Geheimnisverräters Edward Snowden (30) war Montag perfekt: Der Ex-NSA-Computerexperte, der amerikanische und britische Spitzeloperationen („Prism“, „Tempora“) enthüllte, buchte zunächst am Moskau-Flughafen Scheremetjewo Aeroflot-Flug SU150 nach Havanna, reserviert waren die Sitze 17A und 17C. Doch laut Reportern blieben die leer. Fotos wurde auf Twitter gepostet.

Der Aufenthalt des von den USA per Haftbefehl gejagten „Whistleblower“ blieb vorerst ein Rätsel. Nicht ausgeschlossen wurde, dass er sich doch an Bord von Flug SU150 aufhalten könnte. Aufgeregt wurde am Sender RT sogar diskutiert, ob US-Kampfjets den Aeroflot-Jumbo abfangen könnten: Die Route führt durch den US-Luftraum. Der Pilot könnte im letzten Moment den Kurs ändern und im internationalen Luftraum beim Anflug auf Kuba bleiben.

Snowden soll laut Reports in einem Billighotel (15 Dollar pro Nacht) am Terminal F des Moskau-Airports übernachtet haben, so Reports: Die USA hatten davor seinen Reisepass für ungültig erklärt, Snowden konnte deshalb den Zollbereich nicht verlassen.

Der IT-Experte hatte mit der Hilfe von „WikiLeaks“-Mitarbeitern, darunter die persönliche Assistentin von Gründer Julien Assange, um Asyl in Ecuador angesucht, bestätigte dessen Außenminister. Ecuador prüfe den Antrag.

Assange meldete sich mit einem dramatischen Telefonat aus der Ecuador-Botschaft in London, wo er sich seit einem Jahr der Auslieferung zum Sexprozess nach Schweden entzieht: Snowden und seine Assistentin Sarah Harrison seien „sicher und gesund“, sagte er kryptisch. Er schwieg über den Aufenthaltsort. Assange kritisierte die Obama-Regierung scharf, die kein Mandat zum Bespitzeln der Welt habe.

Die Regierung in Washington tobt: Russland wurde in schärfsten Tönen aufgefordert, Snowden unverzüglich auszuliefern. „Die Verzögerung der Reise könnte ein Indiz sein, dass Moskau einen derartigen Schritt überlegt“, so Sicherheitsexperte Michael Leiter auf NBC-TV.

Snowden hat vier Laptops mit den bestgehüteten Geheimnissen der US-Geheimdienste bei sich. Seine Flucht wird zum größten Spionagefall aller Zeiten – und zum Super-GAU für die USA. Die Amerikaner befürchten, dass er weitere brisante Infos seinen Helfern als Gegenleistung zuspielen könnte. Zuletzt enthüllte Snowden etwa einen US-Hackerangriff auf chinesische Telekom-Firmen und Unis. Prompt ließ ihn China ziehen. Er könnte die Daten auch an „Wikileaks“ überspielt haben, nachdem Assange seine Flucht organisiert. Auch Ecuador könnte Zugriff auf die Datensätze erlangen.

Und Snowden besitzt zum Selbstschutz angeblich ein „Doomsday File“: Eine Liste aller CIA-Undercover-Agenten und Abhörstationen rund um die Erde. Per Knopfdruck könnte er den mächtigsten Geheimdienst der Welt  kaltstellen.