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Ich erinnere mich noch gut an ein Presse-Junket kurz nach der Obama-Wahl mit Morgan Freeman: Ob die USA nun zu einer Art „rassenlosen Gesellschaft“ werde, wollte ein deutscher Kollege wissen. „Das wäre ja fast schade“, scherzte die Hollywood-Legende: „Ich liebe meine Vorurteile“.

Nach viereinhalb Jahren im Amt haben sich nach Obamas historischer Wahl freilich die Beziehungen keineswegs gebessert. Im Gegenteil. Die beispiellose Hetze der Rechten gegen den ersten schwarzen Präsidenten der US-Geschichte hat sicher viel damit zu tun. Und nun entlud sich wieder der ganze Zorn (beider Seiten) im Zimmerman-Prozess: Die Verteidiger des schießwütigen Hobby-Cops sehen eine Hexenjagd, vorangetrieben durch einen schwarzen Mobs.  Afroamerikaner sehen in Zimmermans Freispruch ein weiteres Beispiel, dass eine „weiße Justiz“ das mutwillige Niederschießen unbewaffneter, schwarzer Teenager duldet.

Teils gewalttätige Unruhen in LA vertiefen prompt wieder in den (meist weißen) Suburbs Vorurteile und Angst vor ihren schwarzen Mitbürgern. Sie vergrößert sich die Kluft immer weiter, vertieft sich der Graben. Dass sich Obama selbst gleich am Anfang auf „Trayvons Seite“ schlug („Wenn ich einen Sohn hätte, würde er aussehen wie Trayvon…“), nehmen ihm viele übel.

In der aufgeladenen Atmosphäre schüren natürlich auch am rechten Rand die Agitatoren das Feuer. Der hetzerische „Drudge Report“ stilisierte in den letzten Tagen jede zerbrochene Fensterscheibe bei  Protesten zu Gewaltorgien ähnlich den Rodney-King-Unruhen hoch. Prominent auf der Website wurden Drohungen von noch so unwichtigen Lokal-Krakeelern platziert, als kämen sie direkt von der Spitze der Bürgerrechtsbewegung. Die Angst soll geschürt werden: Der schwarze Mob sei am Weg!

Ins Zentrum des Mediensturmes geriet Trayvons Freundin Rachel Jeantel: Sie war mit Trayvon am Telefon während des letzten Minuten seines Lebens. Im Zimmerman-Prozess wurde sie berühmt wie einst Hausgast Kato Kaelin im OJ.Drama, vor allem, als sie zugab, nur Druckschrift lesen zu können und „creepy ass white cracker“ nicht als rassistisches Schimpfwort charakterisieren wollte. Ausgeschlachtet wurden von Matt Drudge auch ihre Kommentare in einem CNN-Interview, wonach Trayvon und sie spekulierten, Zimmerman wäre ein schwuler Kinderschänder. Damit sollte wohl auch die Schwulenbewegung in den Strudel hineingezogen werden.

Ein gefundenes Fressen hat natürlich auch Rush Limbaugh: Als Jeantel verkündete, dass sie den Gebrauch das N-Wortes für vertretbar hält, erreichte der füllige Hass-Radio-Talke mit dem lautstarken Aussprechen von „N…a“ einen neuen Tiefpunkt seiner niederträchtigen Karriere. Mit seiner gewohnt absurden Logik machte er die 19-Jährige zur neuen Fürsprecherin für 42 Millionen Schwarze in den USA. Was die über Limboughs Gebrauch des N-Wortes denken, darf erraten werden. Wie gesagt: Weiter dreht sich die Spirale…