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Bobachter schüttelten entsetzt den Kopf: Eine Woche hatte Obama zuerst die Welt auf Luftschläge gegen Syriens Giftgas-Schlächter vorbereitet, um dann bei einer Rede im Rose Garden plötzlich auf den Pause-Knopf zu drücken. Obama wurde als Amateur, Zauderer und schlimmeres kritisiert. Mit dem Rückzieher durch das Einholen einer Kriegsautorisierung vom US-Kongress habe Obama vor allem Leadership vermissen lassen und die USA geschwächt, tönten Außenpolitik-Veteranen im US-TV.

Doch jetzt sieht es jeden weiteren Tag mehr danach aus, dass Obamas Strategie aufgehen könnte:

# Durch die Kriegsdebatte erhält der Syrien-Bürgerkrieg erstmals die nötige mediale, globale Medienaufmerksamkeit: Assads Gräuel wird nun endlich breiter Raum eingeräumt, grimmige Dossiers über das größte Arsenal an C-Waffen im Nahen Osten vorne in den Blättern platziert;

# Assads Verbündete wie Russland und China wirken angesichts der sich verdichtenden Beweise durch praktisch alle relevanten Geheimdienste (US, GB, D, F etc.) über das Giftgas-Massaker am 21. August (1426 Tote) täglich lächerlicher, Putin gleicht mit seiner Suche nach „mehr Beweisen“ immer mehr den 9/11-Verschwörungs-Anhängern;

# Obama gelingt es auch mit der Debatte, zögernde Staaten zunehmend bloßzustellen. Nicht er, sondern die Welt habe die „rote Linie“gezogen, als fast alle Staaten der Erde den Einsatz von Chemiewaffen verboten haben. Obama ist hier nicht ganz ehrlich, denn die Resolutionen legten nur ein Verbot fest, militärische Konsequenzen sind darin keine festgehalten. Doch insgesamt darf gefragt werden: Was ist die Antwort der Kriegsskeptiker auf Assads Massenmorde? Die „Glaubwürdigkeit der Welt steht am Spiel“, warnte der US-Präsident;

# Und mit der Einbindung wird auch der Kongress vorgeführt: All die Armsessel-Generäle, die in TV-Studios Obamas Syrien-Stümperei so lautstark beklagen, müssen nun auch Mitverantwortung übernehmen. Am lächerlichsten macht sich dabei gerade John McCain: Zuerst warnte er, dass ein „No“ des Kongress „katastrophale Konsequenzen“ habe, um 24 Stunden später selbst eine Neinstimme anzukündigen, da ihm der Kriegsplan zu lahm ist, um dann am Ende doch mit Ja zu stimmen.

Kurz: Am Ende der Debatte könnte Obama tatsächlich gestärkt in den Krieg gehen.