Tag 2 des US-„Government Shutdown“, das Chaos geht weiter. 800.000 Beamte hatten sich am Montag ihre Topfpflanzen aus den Büros geholt, automatische Abwesenheits-Emails programmiert und dann umliegende Bars für ein paar Frust-Biere frequentiert.

Doch allerorten gibt es auch tragische Konsequenzen: Kinder mit Krebs bleiben bis auf weiteres von klinischen Versuchen ausgesperrt. Experten der Regierung stellten die Untersuchungen an Flugzeug-Unfällen ein, Lebensmittelinspektoren überlassen Qualitätsprüfungen nun den Firmen. Mahlzeit. Die NASA legte ihr Warnsystem für erdnahe Asteroiden still, doch zeigte auch Humor, obwohl von 18250 Mitarbeitern 97 % nach Hause geschickt wurden. Die Sonde „Voyager 2“, die jüngst unser Sonnensystem verließ, „twitterte“ fröhlich: „Wegen dem Government Shutdown werde ich keine Postings mehr verfassen, bis bald, Menschen, macht euch das untereinander aus…“

Selbst das Reiseprogramm von Obama wird bereits durcheinander gewirbelt: Er musste einen Trip nach Asien abkürzen, sagte Stopps in Malaysia und den Philippinen ab.

Der US-Urlaub von Millionen Touristen ist ruiniert: Sehenswürdigkeiten, Museen, Zoos und Nationalparks sind zu. Am Pier nahe der New Yorker Freiheitsstatue wurde enttäuschten Touristen statt einem Besuch der ikonischen Lady Liberty eine Gratisfahrt auf einer Fähre rund um die Insel angeboten. Viele lehnten das empört ab.

In Washington kam es zum ersten Vorfall von zivilem Ungehorsam: Ein Gruppe alter Veteranen aus dem zweiten Weltkrieg überwanden eine Absperrung vor dem Kriegsdenkmal. „Frankreich war damals auch geschlossen“, sagte einer der alten Krieger.

Politisch sind die Fronten in Washington DC verhärteter denn je: Ultrarechte „Tea Party“-Republikaner im Repräsentantenhaus blockieren weiter den Haushalt, bestehen auf Änderungen zur Gesundheitsreform „Obamacare“. Obama und die Demokraten im Senat wollen sich jedoch nicht erpressen lassen.

Das Tauziehen erinnert an Kindergezanke im Sandkasten, beide Seiten zeigen mit den Fingern aufeinander. Die Republikaner wollen nur nachgegeben, wenn Obama und die Demokraten verhandeln; die jedoch nur an den Verhandlungstisch, wenn die GOP den Haushalt genehmigt. Dass viele „House“-Republikaner hier reine Politspielchen abziehen, wurde auf einem Foto deutlich: Da saßen acht GOP-Verhandler (alle weiße Männer, by the way) auf einer Seite eines Tisches gegenüber leeren Stühlen. Buhu, niemand verhandelt mit uns…

Dabei kostet das Fiasko den USA eine Milliarde Dollar pro Woche. Die Bevölkerung machte ihrer Empörung über Twitter-Hashtags wie #DearCongress Luft. „Wir sollten eine Gruppe von Kindergartenlehrern nach DC schicken, die sind Experten, wie man Kinder dazu  bringt, sich zu vertragen…“, postete Qulia Goodman. „Sollte der Shutdown nicht auch die Gehälter dieser  Kongress-Idioten beinhalten“, tobte Maggie R..

Die Shutdown-Krise könnte Wochen dauern, wird befürchtet – und mit dem für die Weltwirtschaft viel gefährlichen Erreichen des US-Kreditrahmens am 17. Oktober zu einer einzigen, gigantischen Pleite-Schlacht zusammenwachsen. Ohne Anhebung des Schuldenrahmens ist die USA in zwei Wochen zahlungsunfähig. Die Weltleitwährung des Dollar könnte absacken, globale Finanzmärkte ärger crashen als selbst nach der Lehman-Pleite 2008.

Erschreckend vor allem: Niemand weiß derzeit, wie eine Lösung aussehen könnte.