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Die „besten und gescheitesten Köpfe des Landes“ hatte US-Präsident Barack Obama aufgerufen, als stünde eine nationale Herausforderung wie der Sieg in einem Weltkrieg oder eine bemannte Mission zum Mars bevor. In Wirklichkeit geht es um die Reparatur einer Website, dem Portal „HealthCare.gov“, das zum bisher peinlichsten Fiasko für das White House seit Obamas Amtsantritt wurde.

So einfach wie bei Amazon.com nach Büchern oder Kayak.com nach Flügen hätten sich auf dieser Webadresse die Millionen an unversicherten Amerikanern nach einer Krankenkasse umschauen können sollen, hatte Obama versprochen: Rasch, einfach, unbürokratisch. Es kam freilich anders und nach wochenlangem Gefasel über einen die Server überlastenden Andrang gestand Obama am Montag erstmals ein, was die Nation längst wusste: Die Website ist ein unfassbares „train wreck“, wie Debakel aller Arten in den USA genannt werden.

Dass bei Obamas Rede im Rose Garden eine Frau in der üblichen Menschen-Staffage fürs TV in Ohnmacht fiel und von Obama aufgefangen werden musste, schien an Symbolkraft unüberbietbar…

Niemand sei über den Web-GAU wütender als er selbst, versicherte Obama. Es hat sich in der Welt bekanntlich herumgesprochen, dass Obamacare die Nation seit Jahren spaltet und die Republikaner im Kampf gegen die Reform zuletzt die Verwaltung drei Wochen stilllegten und die USA an den Rand des Staatsbankrotts führten.

Doch ganz aus der Verantwortung ziehen kann sich Obama nicht: Er überließ die Implementierung des Herzstückes seiner ganzen Präsidentschaft Bürokraten im Gesundheitsministerium, die HealthCare.gov an eine kanadische Firma namens CGI mit fragwürdigem Ruf outsourcten. Die stellten bisher $300 Mio. in Rechnung und lieferten einen digitalen Sauhaufen, den Entwickler nicht einmal allerersten Beta-Testern bei der Software-Entwicklung zumuten würden. Den nun eingeladenen „besten Köpfen“ wird wohl grauen bei  ersten Analysen des Schadensausmaßes. Experten im Silicon Valley schüttelten bereits seit Tagen im US-TV den Kopf über den Murks.

Obama wollte bei dem hochkarätigen Auftritt auch klarstellen, dass „Obamacare“ mehr sei als nur eine Website. Doch mit dem Online-Debakel spielte er direkt in die Hände seiner republikanischen Gegner. Er hat nur mehr wenig Zeit, um das durch schiere Inkompetenz an den Rand des Scheiterns geführte, historische Reformprojekt vor dem endgültigen Aus zu bewahren. Denn sonst wäre jener Mann, der als Retter der Welt antrat, am Ende über die Einrichtung eines Webportals gestolpert…