Print Friendly, PDF & Email

Die Welt zürnt den Amerikanern gerade besonders, in den Regierungszentralen dutzender Staaten werden wütend Konsequenzen gefordert für die Abhöraktionen des US-Geheimdienstes NSA von 200 Nummern von 35 Staats- und Regierungschefs, darunter die Deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Die bisher brisantesten Infos unter den seit Monaten köchelnden NSA-Enthüllungen stammen neuerlich aus dem Archiv des nun in Moskau ansässigen Leakers Edward Snowden.

Berlin will nun sogar vor der UNO ein Ende der „US-Spionage“ erreichen, Brasilien, dessen Präsidentin Dilma Rousseff ebenfalls persönlich abgehört wurde und die deshalb sogar ein Obama-Treffen absagte, schloss sich dem Vorstoß an.

Doch die Entrüstung erfasst kaum die USA selbst: Kaum Aufregung, keine Rufe nach Konsequenzen… Eher Funkstille. Am Höhepunkt der Affäre vor ein paar Monaten, als die Amis sauer waren wegen der Schnüffelei in ihren Facebook- und Twitter-Feeds, kündigte Obama, wie immer rhetorisch gekonnt, noch Reformen an. Dass er damit mit James Clapper jenen Mann beauftragte, der als  nationaler Sicherheitsberater politisch hauptverantwortlich scheint für den Spitzelskandal, führte nur in Insider-Kreisen zur  Verwunderung.

Die Amerikaner ticken – besonders wegen ihrer Terrormanie nach 9/11 – hier anders. Ernsthaften Widerstand hätte Obama nur zu erwarten, wenn er die NSA wirklich an die Leine legen würde (bereits erste geringfügige Einschränkungen führen gerade zu heftigem Widerstand innerhalb der „Intelligence Community“ und bei den Republikanern).

Sonst wird hier eher über den „Skandal“ geschmunzelt, selbst solide TV-Anchors tragen die News darüber mit heiterem Unterton vor. Der Tenor: „Big Deal“, alle Länder betreiben Spionage, die USA sei einfach besser dabei. Dass US-Agenten  ausländischen Staatschefs belauschen, führt kaum zu Empörung. Analysten beschreiben die Aufregung in Übersee als eher zugespitzt für die „dortige Konsumation“. TV-Komiker Jon Stewart brachte die US-Stimmung mit einer „Entschuldigung an die Welt“ auf den Punkt: „Sorry, ihr habt wohl vergessen, dass wir richtige Ärsche sind…“

Obama verspürt keinerlei politischen Druck in den USA, die Spitzeleien einzustellen. Es kann nur sein, dass es ihm persönlich  peinlich ist. Ab und wann trifft er ja die Belauschten…

Weit breitere Berichterstattung in den US-Medien als das angebliche „Obamagate“ fand die köstliche Episode, als der ehemalige Chef der NSA, Michael Hayden, in einem vollbesetzten Acela-Schnellzug am NY-DC-Korridor lautstark Telefon-Interviews zum Thema gab. Pech, dass ihm gegenüber ein Part-Time-Blogger der „Huff Post“, Tom Matzzie, saß – und Details der Hayden-Ergüsse, die meisten nicht sonderlich freundlich gegenüber der Obama-Administration, live via Twitter ausposaunte.

Ja, so fühlt es sich an, wenn man selbst abgehört wird, Mr. Ex-NSA.