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Gemischte Signale durch die November-Wahl 2013: Es gab einen Linksruck in New York, einen Dämpfer für Obamas Demokraten in Virginia – und neue Hoffnungen für die Republikaner für 2016 durch ein Schwergewicht aus New Jersey. Im Detail:

# Der linke Senkrechtstarter Bill de Blasio (52) stand mit seiner coolen Familie im Konfetti-Regen in Brooklyn. New York wird erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder von einem Demokraten regiert. Der Liberale, der einst “Occupy Wall Street” lobte, will eine Reichensteuer einführen und versprach den Kampf gegen die wachsende Einkommenskluft in einer “geteilten Stadt”, so sein Slogan im Wahlkampf.

# In Virginia wurde das Rennen weit knapper als der Clinton-Vertraute Terry McAuliffe erwartete, er lag mit „Tea Party”-Kandidaten Ken Cuccinelli bis zum Ende der Auszählung Kopf an Kopf, siegte dann nur ganz knapp. Der unerwartete Thriller war ein Warnsignal auch für Obama, der McAuliffe im Wahlkampf tatkräftig unterstützte. Das Fiasko um “Obamacare” schadet nicht nur dem Präsidenten (stürzte erstmal unter 40 % Zustimmung…) sondern bringt auch seine Partei zusehends in Bedrängnis. McAuliffe hatte vor dem Skandal um die kaputte Website und der Debatte um eklatante Lücken bei der Reform noch mit über 10 % Vorsprung in den Umfragen geführt.

# Mit einer Erdrutsch-Wiederwahl brachte sich New-Jersey-Gouverneur Chris Christie als kumpelhafter Brückenbauer und Republikaner-Hoffnung für die Präsidentschaftswahlen 2016 in Stellung: Christie gewann laut Exil Polls bei Frauen, Latinos, erhielt sogar über 20 % der Afroamerikaner-Stimmen. Werte, von denen andere Republikaner nur träumen können. Christie ließ kaum Zweifel daran, dass er ins Oval Office will: “Pass auf Washington”, rief er in den Menge.

Wirklich beachtlich ist aber der Beginn einer neuen Ära in der Weltmetropole New York: Mit dem linken Stadt-Ombudsmann De Blasio zieht erstmals seit 24 Jahren ein Demokrat in die “City Hall” ein. Der progressiv-liberale Politiker zermalmte Republikaner-Kontrahenten Joe Lotha bei den Wahlen im Big Apple am Dienstag mit 72 zu 26 Prozent. De Blasio, der im Wahlkampf eine “geteilte Stadt” – ein Tummelplatz für Millionäre auf der einen, ein wachsendes Heer Armer und Obdachloser auf der andern Seite – beklagte, lud zur Siegerparty in eine schlichte Sporthalle in seinen Wohnbezirk Park Slope (Brooklyn). “Ihr habt euch für eine neue Richtung der Stadt entschieden”, rief er Fans zu: “Ich werde niemals vergessen, für die Stadt zu kämpfen, die ich so liebe…”

Der Senkrechtstarter löst am 1. Jänner 2014 den parteilosen Multimilliardär Michael Bloomberg ab, der die 8,3-Millionen-Einwohner-Stadt solide regierte doch stets mehr Verständnis zeigte für die 389.000 Millionäre der Stadt als die 1,7 Millionen New Yorker, die unter der Armutsgrenze leben. De Blasio kündigte im Wahlkampf eine höhere Besteuerung der Reichen an, will sich dafür für sozialen Wohnbau einsetzen.
Er verdankt seinen Triumph auch seiner Familie. Seine afro-amerikanische Frau, PR-Beraterin Chirlane McCray, stand ihm zur Seite, sein Sohn Dante (16) wurde mit der Riesenafro-Frisur zum Kult, Tochter Chiara (18) zur versierten Fürsprecherin.

„Genosse“ De Blasio, so konservative Kommentatoren, machte aus seinen links-progessiven Positionen nie ein Hehl, besuchte als Student die Sandinisten in Nicaragua und die Sowjetunion. 2012 zeigte er Sympathie gegenüber der Protestbewegung “Occupy Wall Street”.

Bekannt ist De Blasio auch dafür, gerne lange auszuschlafen. Jetzt braucht der Italio-Amerikaner aus Brooklyn wohl einen lauten Wecker: Er wird Chef von 300.000 Beamten, verwaltet ein Budget von 70 Milliarden Dollar.