Jetzt kommt Bill de Blasio: „Occupy“-Bürgermeister zieht in New Yorks City Hall ein


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In New York beginnt nicht nur das neue Jahr sondern auch ein dramatischer Schichtwechsel in der City Hall. Die Ära von Milliardärs-Bürgermeister Michael Bloomberg endete nach einer Rekordamtszeit von 12 Jahren (er erzwang mit Putin-würdigen Tricks eine dritte Amtszeit…) mit dem Heruntergleiten des Kristallballs am Times Square. Am Neujahrstag wird der linke Newcomer Bill de Blasio (52) in einer Riesenfeier vor dem Rathaus in Lower Manhattan von Bill Clinton angelobt.

Die Demokraten feiern damit einen neuen, möglichen Star der Partei. Der groß gewachsene, ehemalige Ombudsmann der Metropole wurde zur Sensation im Wahlkampf: Er drängte in den Vorwahlen etabliertere, von Bloomberg zur Wahl empfohlene Demokraten-Konkurrenten ab, wurde mit einem Erdrutschsieg von 73,3 Prozent Anfang November zum neuen “Mayor” gewählt. Eine Schmutzkübel-Kampagne von Murdochs rechter New York Post, die ihn als Fidel Castro unterstützenden, einst die Sowjetunion besuchenden und “Occupy Wall Street” lobenden “Commie” abstempelte, verpuffte komplett.

De Blasio verdankte seine Transformation vom No-Name zum Siegertypen vor allem seiner “bunten Familie”: Verheiratet ist er mit ehemalig lesbischen, afroamerikanischen Aktivistin und Poetin Chirlane McCray. Sein Sohn Dante (16) wurde mit Riesenafro-Frisur als Star in seinen Wahlkampfspots fats zur Kultfigur, Tochter Chiara (19) argumentierte vor jedem Mikro leidenschaftlich, warum New York ihren Dad Bill gerade jetzt brauche. Bei gemeinsamen Auftritten unterhielt die Familie mit koordinierten Jubelsprüngen.

Dass es weiter nicht langweilig bleibt unter dem Links-Populisten beweist die Übergangsphase vor dem Amtsantritt (“Transition”): Tochter Chiara gestand in einem Video den Alk- und Drogenmissbrauch, Depressionen und Reha-Aufenthalt, de Blasios Kampagnensprecherin Lis Smith (31) wurde gerade berühmt als neue Freundin des (S)Ex-Gouverneurs Eliot Spitzer.

Der Demokrat beruhigte aber die Bürger mit der Bestellung des legendären “Aufräumers” Bill Braton als NYPD-Chef, dass Verbrechensbekämpfung auch unter seiner Administration oberste Priorität bleibt. Und dass er für sein Team gleich so viele Ex-Mitarbeiter der Investmentbank Goldman Sachs abwarb, stößt vorerst den Geldadel und die für New York wichtige Bank-Industrie nicht vor den Kopf. De Blasio hat auch offenbar vom glücklosen US-Präsidenten Barack Obama gelernt: “Wirklicher Wandel”, dämpfte er bei der Siegerrede hohe Erwartungshaltungen, “bedarf viel Zeit…”

Medien-Tycoon Michael Bloomberg war kein schlechter Bürgermeister und verhalf der Metropole zur wirtschaftlichen Blüte, lockte Investitionen und Zukunftsbranchen an, baute Ökohäuser und richtete eine automatischen Fahrrad-Verleih ein. Doch die Kluft zwischen Arm und Reich wuchs unter Bloomberg, der sich eher auf die Seite seiner “One Percent”-Buddys schlug, weiter dramatisch: Auf der einen Seite stehen die neuen Luxus-Wohntürme mit Hundert-Millionen-Apartments für die Milliardäre der ganzen Welt, andererseits wuchs das Heer der Homeless auf einen Rekordwert von 64.040 (kein Wunder bei Durchschnittsmietpreisen von 3.700 Dollar pro Monat in Manhattan und inzwischen 3.300 in Brooklyn).

Da Blasio wurde gewählt, da er um mehr Gerechtigkeit für die Mittelklasse kämpfen will: Mehr Sozialwohnungen, höhere Löhne, bessere öffentliche Schulen. Er wird daran gemessen werden, wie viel “Change” er hier zusammenbringt.

Zuerst aber, ganz nach Monty Python, “something completely different”: De Blasio will gleich nach Amtsantritt Fiaker-Fahrten im Contra Park verbieten. Der erste Krach scheint vorprogrammiert.

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