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Fast schaurig schön war die Szene, als sich eine Nebelbank über den dampfenden Lake Michigan vor der Skyline von Chicago legte. Am O´Hare-Flughafen wurden Montag, 8 Uhr Ortszeit, offiziell minus 26 C gemessen, damit der Tagesrekord aus 1988 unterboten.

Der klirrende Frost der “polaren Vortex” hält die Ost-USA weiter im eisigen Würgegriff. Der polare Wirbelsturm, der sonst um den Nordpol rast, ist nach Süden gedriftet – und schaufelt mit orkanartigen Winden eisige Luftmassen in die Kontinental-USA.

Im Mittleren Westen wurden die tiefsten Temperaturen seit 20 Jahren gemessen: In Teilen von Minnesota fühlte es sich im heulenden Nordwind an wie minus 48 Grad. Bei derartiger Extrem-Kälte können Frostbeulen bereits nach fünf Minuten entstehen. Eine CNN-Reporterin demonstrierte die Kälte bei eine Live-Einstieg aus Minneapolis, einem der Kältepole: Sie schüttete heißes Wasser aus einem Becher in die Luft – Sekundenbruchteile später rieselte Schnee herunter.

In Lokomotiven froren die Motoren ein, Skiressorts stellten den Betrieb ein. Als kälteste Luft-Temperatur (ohne Wind-Chill) wurden bisher minus 37 C in Crane Lake (Minnesota) gemessen. Der Frost  drang tief in den Süden vor: Sogar im US-Staat Georgia sind Dienstag die Schulen geschlossen.

Für New York City waren Dienstagmorgen Wind-Chill-Temperaturen von minus 26 C angesagt. Durch “Lake Effect Snow” werden in West-New-York 1,2 Meter Neuschnee erwartet. New Yorks Gouverneur Cuomo rief den Notstand aus.

Auf den Airports herrscht unterdessen nur mehr Chaos: Durch den Blizzard und die jetzige Kältewelle wurden in den letzten Tagen 17.000 Flüge gestrichen, der Rückstau verwandelt Terminals in Notlager. 200.000 Passagiere waren allein Montag betroffen. Tausende sitzen weiterhin fest. Die Fluglinie JetBlue stellte den Flugbetrieb in New York, Newark und Boston für 17 Stunden ein, für einen “Neustart“ des gesamten System. Es ist das größte Flugchaos seit der Island-Vulkankrise und 9/11, so Experten.