Noch vor einer Woche war Chris Christie die größte Republikaner-Hoffnung für die Rückeroberung des White House. Jetzt steht der einst so selbstbewusste Straight-Talker vor dem Karriere-Ende. Mit täglich neuen Enthüllungen taugt sein Amtsstil als New-Jersey-Gouverneur eher als Vorlage einer Polit-Variante der Reality-TV-Serie Jersey Shore.

Nach “Bridge-Gate”, wo Christies Stab einem widerborstigen Demokraten-Bürgermeister heimzahlerisch seiner Stadt ein Verkehrschaos bescherten, ermitteln die “Feds” nun auch wegen dem möglichen Missbrauch von Hilfsgeldern nach dem Jahrhundert-Sturm Sandy im November 2012. Das sitzt natürlich besonders: Gerade durch Sandy wurde Christie als Zupacker national berühmt, besonders als er mit Obama durch die Desasterzonen tourte. Nun durchkämen Prüfer Unterlagen, ob der belagerte Republikaner Sandy-Hilfsgelder für die Tourismus-Werbung abgezweigte, die ihn und seine Familie prominent zeigten. Kritiker wenden ein, dass sich Christie mit Steuergeldern vor allem selbst promotete und weniger den Tourismus förderte. 25 Millionen Dollar sollen für die Kampagnen ausgegeben worden sein, so Demokraten-Politiker Frank Pallone.

Fragwürdig scheint auch die Ausschreibung: Die Siegerfirma stellte mit 4,7 Millionen Dollar zwei Millionen mehr in Rechnung als der Zweitbieter. Was dem eitlen Gouverneur wahrscheinlich missfiel: Die billigere Werbekampagne hätte auf eine Starrolle der Christies verzichtet…

Weiter eskaliert die Affäre um die viertätige Teilsperre der George-Washington-Brücke zur „Bestrafung“ des Fort-Lee-Bürgermeisters Mark Sokolich, nachdem der Demokrat Christie nicht zur Wahl empfehlen wollte. Christie hatte behauptet, dass er von Sokolich nie was gehört hatte und es deshalb kein Motiv für einen Rachefeldzug geben könne. Doch jetzt berichtet die NYT, dass  ein weiterer Bürgermeister, der Stadtchef von Jersey City, ebenfalls Repressalien erdulden musste. Auch er hatte eine Christie-Wahlempfehlung verweigert. Laut Montag veröffentlichten Dokumenten stellten Christie & Co plötzlich  alle Verbindungen mit Steve Fulop ein.

Wie lange Christie die täglichen „Drip-Drip“-Enthüllungen durchsteht, wird immer lauter gefragt. Der extrem rechte Flügel der Partei freut sich bereits diebisch: Die hatten dem moderaten Christie den Paarlauf mit Obama nie verziehen. Die Tour hatte Obama damals im Wahlfinale gegen Republikaner-Gegner Mitt Romney enorm geholfen und wahrscheinlich seine Präsidentschaft gerettet.