Klang ja wie eine recht tolle Story: Der Mann, der die Leiche von Oscar-Star Philip Seymour Hoffman am Sonntag fand, war gleichzeitig sein Liebhaber, Hoffman, Vater von drei Kindern und langjähriger Lebenspartner von Bühnendesignerin Mimi O´Donnell, hätte demnach ein Doppelleben geführt. Drehbuchschreiber David Bar Katz hätte das selbst in einem Interview mit dem US-Magazin „National Enquirer“ gebeichtet. Laut der Story hatte er Hoffman dazu Stunden vor dem Tod beim Koks-Schnupfen gesehen, es wäre ihm aber nicht aufgefallen, wie süchtig der Schauspieler war – und am Sonntag wollten sie zum Super Bowl. Wow! Was für eine Story! Was für ein Aufriss.

Einziges Problem nur: Das angebliche „Exklusiv-Interview“ hat nie stattgefunden, das Tabloid hatte die ganze Story erstunken und erlogen. Während die Geschichte über die Websites der Weltmedien raste, kontaktierte Katz seine Anwälte. Mittwochabend reichte er eine Verleumdungs- und Schadenersatzklage gegen Enquirer-Herausgeber „American Media, Inc“ im Streitwert von 50 Millionen Dollar ein.

Katz führte an, dass er keinerlei Kontakt zu den drei Autoren des Enquirer-Artikel hatte. Selbst für die niedrigen Standards des Klatsch-Magazins scheint die Vorgangsweise erstaunlich. Das Blatt hatte in der Vergangenheit zwar ein paar echte Aufrisse: Enthüllt wurden die Affären von John Edwards oder Tiger Woods. Doch zuletzt entpuppten sich die knalligen „World Exklusives“ allesamt als Enten. Die Web Site „Gossip Cop“ nimmt jeden Mittwoch die angeblichen Aufrisse des Enquirer und der ebenso hyperventilierenden Konkurrenz genüsslich auseinander. Vielleicht war der Hoffman-Flop ein Verzweiflungsakt.

Dieser Mittwoch erschien überhaupt als eine Sternstunde des Boulevard-Journalismsu: Den neben Hoffmans schwulen Lover sorgte auch eine weitere, angebliche Bomben-Enthüllung für Aufregung – und prompte Rückzieher: Laut dem „Globe“ und „Radar Online“ hätte Bill Clinton im White House Sex mit Briten-Beauty Liz Hurley gehabt, sagte zumindest Hurleys Ex-Freund, Schauspieler Tom Sizemore laut den Reports gegenüber Freuden. Die Aussagen waren auf einem Audio-Tape aufgezeichnet. Zuerst dementierte Hurley, dann folgte Sizemore. In einem Interview mit der „Huffington Post“ gab er die Existenz des Audiobandes zu, doch führte die Aussagen auf „Nebenwirkungen“ während des Drogenentzuges zurück. Übersetzt: Dämliche Prahlerei im Drogendunst. Er entschuldigte sich bei Hurley.

Immerhin: Anders als beim Enquirer war diese Story wenigstens nicht ganz frei erfunden…