Ein wachsender Chor amerikanischer Politiker und Experten kritisiert US-Päsideten Barack Obama wegen seiner späten und bisher zahnlosen Reaktion auf den Einmarsch russischer Truppen in die Krim und die Eskalation der Gewalt auch in anderen Teilen der Ukraine.

Obama hatte Freitag Russenpräsidenten Wladmir Putin in einer Stellungnahme, die er unsicher vom Blatt las, vor einem „hohen Preis“ für die Aggression gewarnt. Samstag telefonierte er 90 Minuten mit Putin. Das White House wollte Obama durch die Veröffentlichung eines Fotos, das ihn mit aufgekrempelten Ärmeln im Oval Office beim Telefonieren zeigt, als resoluten Leader präsentieren. Stärker waren freilich die Bilder der rollenden Panzer in der Krim.

Besonders harte Kritik muss Obama von Republikaner-Rivalen John McCain einstecken. Obamas Reaktion auf die größte Weltkrise seiner Präsidentschaft sei „lachhaft“, so der Senator. Er bezeichnete Obama und auch Ex-Außenministerin Hillary Clinton als „naiv“, da sie so viel Zeit in einen Neustart der Beziehungen mit Russland investierten. Putin sei aber ein Ex-KGB-Mann, dessen größte Ambition die Restaurierung des russischen Empires sei, so McCain.

McCain und weitere Kongressmitglieder verlangen sofortige und scharfe Sanktionen gegen Moskau: Der „Sergei Magnitsky“-Akt, der 2009 unterzeichnet wurde, biete die Möglichkeit,  russischen Offiziellen, die in die Krim-Invasion verwickelt sind, Visas zu verwehren und deren Vermögenswerte einzufrieren. Außenminister John Kerry gab inzwischen bekannt, dass die Obama-Regierung so einen Schritt überlege.

Obama wurde weiters kritisiert, da er einer Sitzung seines nationalen Sicherheitsteams am Samstag fernblieb. Viele wundern sich auch, dass das White House ausgerechnet in den Tagen, als sich der Krim-Krimi zuspitzte, ein Video für Michelle Obamas „Let´s Move“-Kampagne veröffentlichte, wo Obama und Vize Joe Biden in Anzügen durchs White House joggen. Das Spass-Video wirkt völlig fehl am Platz angesichts Obamas  gewaltiger Herausforderung, Putin die Stirn zu bieten.