Statt das Rätsel um Phantomflug MH370 endlich zu lösen, wird es jeden Tag größer. Die Suchzone in elf Ländern wurde auf 77 Millionen Quadratkilometer ausgeweitet, ein Zehntel der Erdoberfläche. Zuletzt gab es Reports, wonach Bewohner der Malediven einen Jet im Tiefflug sahen. Ein aufgrund von Satellitendaten eingeengteres Suchgebiet umfasst immer noch über acht Millionen Quadratkilometer, eine Fläche fast so groß wie die USA.

Elf Tage nach dem Verschwinden der “Malaysian Airlines”-Maschine am Weg von Kuala Lumpur nach Peking verfolgen die Ermittler weiter die Theorie einer Entführung der Boeing 777-200 – entweder durch die Piloten, Zaharie Ahmad Shah (52) und Fariq Hamid (27), oder gar einem Terrorkommando.

Die Malaysier haben jetzt wenigstens eine halbwegs genaue Zeitabfolge zumindest vom Beginn des Dramas hingekriegt: 8.März, 0:41: Der Jet hebt am KLIA-Airport ab. 1:07 Uhr: Das Kommunikationssystem ACARS schickt das letzte Datenpaket. 1:19 Uhr: “All right, good night”, sagt Copilot Fariq. 1:21 Uhr: Der “Transponder” wird abgeschaltet.

Bekannt ist nun auch: Die folgende scharfe Westkurve mit einem Neigungswinkel vom 20 Grad wurde vom Autopiloten exekutiert, so die New York Times. Jemand musste in der Steuerkonsole mit acht Tastenanschlägen den neuen Kurs einprogrammiert haben. Bestätigt ist damit: Profis waren am Werk, die Entführung dürfte von langer Hand geplant gewesen sein.

Und seit Dienstag gibt es eine weitere Bestätigung der Kursänderung: Mit  unfassbarer, zehntägiger Verspätung meldete sich die thailändische Luftwaffe nun mit ihren eigenen Radardaten. Demnach sahen sie den Jet, ohne „Markierung“ durch den Transponder, nach der Kehrtwende um 1:28 Uhr, dann zog der Punkt über die malaysische Halbinsel . Wie bei ihren Kollegen in Malaysia verliert sich die Spur der Maschine auch am Thai-Rader über der Straße von Malakka.

Ermittler im 25 Staaten verfolgen weiter vor allem zwei Theorien:

# Im Visier blieben die Piloten: Kapitän Shah war ein vehementer Kritiker der malaysischen Rechtsregierung. Er könnte Rache genommen haben an der Verurteilung seines Polit-Idols, Oppositionsführer Anwar Ibrahim. Oder drehte er wegen Liebeskummer durch? Einen Tag vor dem Geisterflug soll seine Frau und die drei Kinder aus dem Familienzuhause ausgezogen sein. Shah besaß auch einen Flugsimulator: Die Kripo prüft, ob er dort einen Tiefflug unter 1500 Meter übte, mit dem er das Radar unterflog. Wie  von einem Kampfpiloten gesteuert könnte die Maschine im Tiefflug über das Terrain gerast sein, glauben Ermittler. Copilot Fariq wiederum zeigte mangelnde Disziplin, als er ein einmal Blondinen ins Cockpit lud.

# Oder wurde die Boeing von einem Kommando für spätere Terrorattacken an einen geheimen Ort geflogen. An ein drohendes “9/11” glaubt US-Abgeordneter Michael McCaul: “Die Maschine könnte  gerade für eine Terrorattacke vorbereitet werden!” Ähnliches glauben auch die Israelis: Dort wurde die Luftraumüberwachung  verstärkt.

Klar scheint bisher nur eines: Ein größeres Rätsel gab es noch nie.