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Was macht CNN, wenn es wirklich „Breaking News“ gibt? Seit 8. März läuft auf dem Newskanal praktisch eine einzige Sondersendung zu Phantom-Flug MH370. „Breaking News“ sind nun fast ein Dauerzustand der aufgeregten Berichterstattung: „Breaking News“ ist, wenn in Australien die Sonne aufgeht und in Perth die ersten Flugzeuge bei ihren täglichen Missionen zur Suche des Wracks der Malaysia-Airlines-Boeing aufsteigen. „Breaking News“ ist jede erdenkliche Ankündigung des Pentagon, High-Tech-Geräte zu entsenden. „Breaking News“ ist jede neue Theorie der wachsenden Schar an Experten, die trotz dem kargen Strom echter Informationen und Fakten die Sendezeit füllen.

CNN überbietet sich fast täglich, und das seit fast drei langen Wochen schon: Da gehen so viele Fenster mit Experten auf als wäre es die Titelsequenz zum „Brady Bunch“. Da steht Tim Forman auf einer Weltkugel mit der mögliche Route des Geisterflugs aufgezeichnet und erklärt hinter einem Hologramm die Fakten einer Boeing 777. Da hantieren Experten und Moderatoren (besonders geschmacklos) mit Spielzeugflugzeugen herum. Da steuert CNN-Korrespondent Martin Savidge mit Piloten Mitchell Casado in einem Flugsimulator in Toronto fast jede Stunde neuerlich mit einem anderen möglichen Gebrechen in den Tod. Da sinniert der dauerpräsente, besonders arg britelnde Richard Quest, ob nicht auch Wahrsager bei der Suche helfen könnten. Und da fragt Anchor Don Lemon, wohl bei einem ganz besonders argen Durchhänger, ob der Liebe Gott persönlich den Jumbojet vom Himmel holte oder ob die Boeing 777 mit 239 Passagieren an Bord gar von einem schwarzen Loch geschluckt wurde.

Der Grund für den Dauerhype ist klar: Die Quoten, die zuletzt bei CNN auf historische Tiefstwerte sanken, haben sich seit der Berichterstattung über Phantomflug MH370 verdoppelt. Als „Anderson Cooper 370“ verulkte Kolumnistin Linda Stasi das Ausschlachten des Dramas. Cooper kann die Kritik gelassen sehen: Die Show des Veteranenreporters schlug in der Vorwoche dreimal jene des Fox-Platzhirschen in der US-Prime-Time, Bill O´Reilly. Der – ausgerechnet – lamentierte über CNNs Quotenjagd, „die das ganze News-Geschäft korrumpiert“.

Die CNN-Exzesse sind natürlich Munition für die Stars der Late-Shows, allen voran natürlich Jon Stewart: „Wir haben 23 Stunden und 59 Minuten zu füllen“, bezeichnete er offensichtlich die Mission des Senders: „Let´s go crazy!“ Stewart schlug vor, sie sollten Wolf Blitzer Flügel auf den Rücken schnallen und ihn abheben lassen…