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Der Countdown tickt zum Boston-Marathon, mit dem die Neuengland-Metropole das Trauma des Terror-Horrors das Vorjahres endgültig abzuschütteln versucht. 36.000 Läufer sind Montagfrüh in Hopkinton, einem Vorort im Westen der Stadt, am Start, das zweitgrößte Starterfeld in der 118-jährigen Geschichte eines der berühmtesten Marathonläufe der Welt.

Beim Rennen im Vorjahr zündete das tschetschenisch-stämmige Brüderpaar Dschochar und Tamerlan Tsarnajew am 15. April 2013 an der Ziellinie in der Boylston Street zwei in Rucksäcken versteckte Splitterbomben: Drei Opfer wurden getötet, darunter ein Achtjähriger, Dutzende verstümmelt, insgesamt 260 Menschen verletzt. Die schlimmsten Terrorattacke seit 9/11 versetzte Amerika in Schockstarre. Nach einer in der US-Geschichte einzigartigen Terror-Jagd wurde Bomber Tamerlan im Boston-Vorort Watertown vier Tage später bei einer Schießerei mit der Polizei getötet, sein Bruder Dschochar in einem Bootsversteck verhaftet. Der Prozess gegen ihn beginnt im Herbst, des droht die Todesstrafe.

Montag will die Stadt mit Hunderttausenden Zusehern entlang der exakt 42,195 Kilometer langen Route am “Patriots Day” im US-Staat Massachusetts ihr Comeback zelebrieren. “Der heurige Lauf ist ein Symbol für die Willenskraft der Bevölkerung, sich im Angesicht des Terrors nicht wegzuducken”, schrieb Boston-Globe-Kolumnist Dan Shaughnessy: “Bostonians, Neuengländer, Amerikaner und Bürger der Erde kehren Montag an den Start zurück, um ein Fest zurückzugewinnen, das im Vorjahr durch ein mörderisches Gemetzel unterbrochen wurde”.

Kaum wer ließ sich abhalten: Der Andrang bei der Anmeldung war größer denn je. Am Start sind auch wieder die Vorjahrssieger Lelisa Desisa und Rita Jeptoo aus Äthiopien. Die Veranstalter Boston Athletic Association erlaubte 9000 zusätzliche Anmeldungen, damit 5000 Läufer, die im Vorjahr zum Zeitpunkt der Terror-Attacke noch am Weg waren, heuer den Lauf vollenden können.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind freilich enorm – eine neue Katastrophe soll um jeden Preis verhindert werden. 4000 Polizisten werden positioniert, Live-Feeds von 100 Überwachungskameras ausgewertet, in einem Kommando-Zentrum, getauft “The Bunker” (der Bunker), koordinieren 260 Terrorabwehr-Spezialisten Informationen von 60 verschiedenen Sicherheitsbehörden (Boston, Massachusetts, “Feds”). Beobachtet soll vor allem verdächtiges Verhalten von Zusehern entlang der Strecke. Rucksäcke dürfen heuer nicht auf Zusehertribünen mitgebracht werden. Der Sender NBC nannte den historischen Kordon bereits leicht theatralisch “Ring of Steel” (Ring aus Stahl).

Massachusetts-Gouverneur Deval Patrick wollte aber dennoch “die richtige Balance finden”, wie er Sonntag in der TV-Sendung “Face the Nation” sagte: “Es sollte kein Rennen durch eine militarisierte Zone werden”. Er gab sich selbstbewusst: “Boston ist Montag der sicherste Ort Amerikas”.

Photo by laurenfrohne