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Eine Stadt läuft, trotzt dem feigen Terror! Ein Jahr nach dem Horror durch zwei Splitter-Bomben (3 Tote, 264 Verwundete) sind wieder 36.000 Läufer unterwegs auf der berühmten Strecke des ältesten Stadtmarathons durch Boston.

Der 118. Marathon wurde zum Volksfest, zum Symbol, wie Boston das Terror-Trauma abschüttelte. Viele der Läufer trugen Trikots mit dem Aufdruck “Boston strong”, dem Schlachtruf während der bitteren Tage, als im Vorjahr Martin Richards (†8) und zwei weitere Opfer begraben wurden – und herzreißende Schicksale über durch Schrapnell Verstümmelte die USA ins Trauma versetzten. Jetzt jedoch hält ein Läufer ein Schild: “We´re back!” (Wir sind zurück).

Bereits am frühen Morgen klappten die ersten Zuseher, geschützt mit Wollmützen gegen den noch eiskalten Wind, entlang der Boylston Street Klappsessel auf – auch genau vor den beiden Stellen, wo im Vorjahr die Terror-Brüder Tamerlan (†27) und Dschochar Tsarnajew (21) die beiden Splitterbomben zündeten.

Niemand scheint sich hier Sorgen zu machen: Denn die Sicherheitsvorkehrungen entlang der 42,195 Kilometer langen Strecke vom Vorort Hopkinton zur Bostoner Boylston Street sind enorm: 4000 Polizisten waren im Einsatz, 500 davon undercover, 7000 Kameras lieferten Live-Feeds der Massen, Rucksäcke waren verboten, sogar dicke Jacken. Polizeistaffeln mit K9-Suchhunde überprüften Gehsteige und Tribünen. Die Menge ist ausgelassen, Jubel braust in der Boylston Street auf, als zuerst die Pros bei Männern und Frauen losrennen, dann in vier „Wellen“ die Massen.   Zu einer bewegenden Szene kommt es nahe des Explosionsortes vor dem „Boston Marathon“-Geschäft: Erika Brannock ist mit dem Rollstuhl zu einem spontanen Denkmal gekommen, wie Bostonians Grußbotschaften auf ein am Boden ausgebreitetes Transparent schreiben. Eine der beiden Bomben riss ihr im Vorjahr ein Bein ab. Ein Freund hilft ihr auf den Boden, sie fügt ihre Botschaft dazu. „Wir sind schon die ganze Woche hier“, sagt sie. Die Rückkehr zum Ort des Grauens hilft ihr, der Marathon soll einen Neubeginn markieren, sagt sie.

5600 Läufer, die beim Abbruch letztes Jahr noch unterwegs waren, erhielten die Chance, den Marathon doch noch zu vollenden. An der Ziellinie wurde auch Heather Abbott erwartet: Sie verlor bei der Terror-Attacke ein Bein, jetzt wollte sie mit ihrer Prothese zumindest den letzten Kilometer laufen.