Die Katze ist aus dem Sack: Der US-Sender CBS erwarb fünf Tage vor dem Verkaufsstart ein Exemplar von Hillary Clintons mit Spannung erwarteten Memoiren „Entscheidungen“. Der Inhalt wird für Gesprächsstoff sorgen in den nächsten Tagen:

– Sie beschreibt etwa ihre Ansichten bei früheren Bestrebungen zur Freilassung des Taliban-Gefangenen Bowe Bergdahl. „Ich war immer der Ansicht, dass Verhandlungen mit den Taliban für die Amerikaner schwer zu verdauen sein würden nach so vielen Jahren Krieg…“.

– Sie beschreibt die Minuten im Situation Room beim Sturm von „Seal Team Six“ auf das Bin-Laden-Versteck: „Als sich die SEALs dem Versteck in Abbottabad näherten, dachte ich an die Familien, die vor einem Jahrzehnt ihre Angehörigen verloren haben bei der 9/11-Attacke. All die Jahre mussten sie auf Gerechtigkeit warten, jetzt könnte der Moment für sie gekommen sein“. Und weiter: „Wir sahen die Video-Feeds, als die SEALs improvisierten und durch den Komplex stürmten, entgegen den Medienberichten konnten wir aber nicht sehen, was drinnen vorging“. Das Warten wäre nervenzerfetzend gewesen, so Hillary: „Ich sah den Präsidenten an, er war ruhig. Kaum gab es einen Moment, wo ich stolzer war an seiner Seite zu sein als an diesem Tag“.

– Hillary argumentiert, dass die Ausweitung der NATO in Osteuropa jetzt ein Bollwerk gegen Russlands Aggression darstelle und Putin abschrecke.

– Syrien bezeichnete die Ex-Außenministerin als „übles Problem“, für das es keine brauchbaren Lösungen zu geben schien. Sie schreibt in dem Buch, dass sie sich anfangs für die Bewaffnung der Rebellen eingesetzt hätte, doch von Obama überstimmt worden war.

– Clinton holt in dem 900-Seiten-Wälzer aber auch weiter aus und geht nochmals auf ihre Motive bei der Ja-Stimme als Senatorin 2002 zur Autorisierung von Bushs Irak-Krieg ein: „Ich wünschte, ich hätte mit Nein gestimmt, jeder Brief von Eltern, die Söhne und Töchter verloren dort, machte meinen Fehler schmerzhafter“. Sie dachte, im „gutem Glauben“ gehandelt und die „bestmögliche Entscheidung“ getroffen zu haben. Sie bereute es bitter.

– Köstlich beschreibt sie die Szene, als sie Obama nach dem bitteren Vorwahl-Krimi vor den Partei-Conventions in Denver 2008 wiedersah: „Wie starrten einander an so unsicher wie zwei Teenager bei einem komischen ersten Date, nahmen ein paar Schluck Chardonnay…“

Mit Reisen in 112 Staaten als einstige US-Chefdiplomaton gibt Hillary sogar Tips beim Jetlag: „Ich trank reichlich Kaffee und drückte mir die Fingernägel in die Handflächen, um wach zu bleiben…“